Bestandsaufnahme zum Kinderfernsehen
 
 
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Was Kinder Überfordert
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Bestandsaufnahme zum Kinderfernsehen
Eine kritische Debatte tut Not!
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Orientierung in der Alltags- und Lebenswelt

Angebot zu ethnisch-kulturellen Lebensweisen
Soziale Orientierung - 2001
Soziale Orientierung - 2000
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Magisterarbeit Klaus Rummler (PDF)
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Die Welt der Dinge und Ereignisse

Beim Optimismus der Sesame Street...
Medien und Lesekompetenz nach PISA
Lernen mit dem Fernsehen? - 2002
Lernorientierte Programme - 2000

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Was Kinderfernsehen Lustiges zu bieten hat (PDF)
Ordnungs- und Klärungsmöglichkeiten
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Bestandsaufnahme zum Kinderfernsehen 2000, 2001
Ben Bachmair, Claudia Topp, Clemens Lambrecht, Klaus Rummler, Judith Seipold


Dieser Text wurde teilweise in "Medienpraktisch" abgedruckt:
Ben Bachmair, Claudia Topp, Clemens Lambrecht, Judith Seipold, Klaus Rummler:
Bestandsaufnahme zum Kinderfernsehen. Ein pädagogischer Blick auf das Fernsehangebot und die Nutzung durch die Kinder.
In: GEP (Hrsg.): Medien Praktisch, Heft 2/2001 (Heft 98, 25. Jahrgang), S. 23-28. (ISSN: 0171-3957).



Bestandsaufnahme zum Kinderfernsehen, ein pädagogischer Blick auf das Fernsehangebot und die Nutzung durch die Kinder

1.    Mediensozialisation und Fernsehen im Übergang

Fernsehen ist immer noch Leitmedium der Kinder. Da kulturell jedoch so viel im Fluss ist, wird sich auch diese Verbindung lösen. Wie läuft die Dynamik? Das Internet ist dazu der offensichtliche Teil, an dem sich eine Diversifizierung zeigt. Die von SuperRTL regelmäßig in Auftrag gegebenen Studien zur Internetnutzung belegen, wie es laufen könnte. Bei den von Kindern bevorzugten Websites tauchen Ende 2000 traditionelle oder neue Fernsehprogramme auf: www.pokemon.de und www.die-Maus.de, Sender- bzw. Medienwebsites: www.superrtl.de, www.disney.de, www.kika.de, www.sat1junior.de. Aber auch Unternehmen bieten Unterhaltung und Informationen: www.lego.de, www.milka.de. Spezielle Kinderportale kommen hinzu: www.blindekuh.de, www.kidstation.de. Zudem gibt eine es Fülle anderer Adresse zu PC-Spielen, zu Kino, Musik, Stars, Printmedien usw. [1] Erinnert man sich an die kulturelle Entwicklungsprognose von Gerhard Schulzes "Kultursoziologie der Gegenwart", in die zeigt, wie sich die postmoderne Gesellschaft alltagsästhetisch organisiert und differenziert, dann steht eine Funktionsveränderung der uns vertrauten Massenmedien an. Auch Fernsehen in der Version der Vollprogramme entwickelt sich neben und zusammen mit Alltagsgütern, Events und Ereignisorten zum "Pool" symbolischer Materialien. In diesem neuen Kontext der Massenkommunikation wird es sicherlich auch noch die gute, alte Kindergeschichte geben, jedoch nur als eine Sache unter vielen anderen. Medienpädagogik sollte sich deshalb auch mit dem Gedanken vertraut machen, dass sich nicht nur völlig unerwartet Genres wie Big Brother auftun, sondern auch über neue Nutzungsformen der scheinbaren Beliebigkeit wie das Zappen und über die Mischung von Medien, Konsumgütern und Ereignissen eine neue symbolische Form unserer Kultur entsteht, mit der sich die Menschen auch in ihrer Art von Subjektivität, also in der Beziehung zu sich und zur sozialen wie dinglichen Umwelt, verändern. Die zur Zeit überall sprießenden, hoch realistischen Repräsentationsformen in fiktionalen Zusammenhängen, die Internet-Gewaltdarstellungen sind dafür ein Indiz, zeigen die Veränderung.

Das theoretische Konzept der Sozialisation richtet sich auf neue Beziehungsformen der Menschen zu sich, zur sozialen und dinglichen Umwelt im Kontext neuer symbolischer Formen. So gesehen gilt es nach den entstehenden neuen Formen der Sozialisation Ausschau zu halten. Stichworte sind dafür das individuelle Bastelns von Lebensläufen oder, wie das Heinz Hengst schon vor geraumer Zeit in der Diskussion um Kindheit und Medien formuliert hat, die "Sozialisation in eigener Regie". Die Sozialisationsfunktion von Medien erschöpft sich nicht in der gesellschaftlichen Aufgabe, die Kindergeneration in das Erwachsenenleben, in deren Lebensformen, Handlungsweisen, Aufgaben und Legitimationsmodelle einzuführen. Dieses Feld, in das Kinder vorbreitend einzuführen wären, wird im Moment diffus oder geht sogar verloren. Statt dessen ist ein neuer Typ von Persönlichkeit, eine neue Art der Subjektivität gefragt, die Gerhard Schulze mit dem griffigen Titel der "Erlebnisgesellschaft" etikettiert hat. Im individuellen Erleben der Menschen entstehen die kleinen Lebenswelten des Alltags, die die heutige Gesellschaft konstituieren.

Dabei nicht den Überblick zu verlieren und kulturelle Gestaltungsmittel zu finden, ist auch eine der aktuellen Herausforderungen der Medienpädagogik. Einen bescheidenen dokumentierenden und analysierenden Beitrag liefert dazu das Kooperationsprojekt "Bestandsaufnahmen zum Kinderfernsehen" der Medienpädagogik der Universität Kassel und des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen am Bayrischen. Rundfunk. [2] Es um die Frage, welche Sozialisationsmöglichkeiten sich aus dem Angebot des expliziten Fernsehens und mit den Nutzungsvorlieben der Kinder öffnen.

2.    Eltern und Großeltern nehmen Kinderfernsehen recht traditionell wahr

Die Meinungsbildung zum Kinderfernsehen basiert auf recht einfachen Erfahrungen der Eltern und der Großeltern mit Kinderfernsehen. Dazu ein Blick auf die Einschaltquoten-Hits der Fernsehzuschauer im Alter von Eltern (20 bis 49 Jahre) und der Großeltern (über 49 Jahre).

TOPs des expliziten Kinderprogramms der Elterngeneration

 

Sender Titel Datum Uhrzeit 3bis13 Eltern Großeltern
1 ARD Die Sendung mit der Maus 28.05.00 11:31:38 380000 590000 320000
2 ZDF Löwenzahn 28.05.00 11:02:28 460.000 520.000 390.000
3 KiKa Das Zaubermännchen 28.05.00 12:01:07 320.000 330.000 160.000
4 Sat1 Die Peanuts 27.05.00 12:06:08 100.000 290.000 100.000
5 Pro7 Pinky, Elmyra und der Brain 28.05.00 10:11:50 180.000 280.000 40.000
6 SRTL Arielle, die Meerjungfrau 28.05.00 18:51:05 550.000 240.000 50.000
7 Pro7 Sylvester & Tweety 28.05.00 9:38:17 190.000 240.000 50.000
8 Sat1 Bugs Bunny 27.05.00 11:34:33 190.000 240.000 120.000
9 Sat1 Junior TV wrap around 27.05.00 12:05:23 70.000 230000 90.000
10 KiKa Löwenzahn 28.05.00 15:02:26 210.000 220.000 80.000
11 Sat1 Familie Feuerstein 27.05.00 11:03:15 150.000 210.000 90.000
12 RTL2 Pokémon 30.05.00 14:48:42 930.000 200.000 30.000
13 Sat1 Godzilla 27.05.00 12:37:11 140.000 200.000 90.000
14 Pro7 Superman 27.05.00 11:04:10 120.000 200.000 10.000
15 SRTL Immer Ärger mit Newton 30.05.00 19:19:57 530.000 200.000 50.000

Quelle: BESTANDSAUFNAHME KINDERFERNSEHEN, AGF/GfK PC#TV 2000
3bis13 bedeutet Sehbeteiligung der 3-13jährigen Kinder
Eltern bedeutet Sehbeteiligung der 20-49Jährigen
Großeltern bedeutet Sehbeteiligung der ab 49Jährigen

TOPS des expliziten Kinderprogramms der Großelterngeneration

  Sender Titel Datum Uhrzeit 3bis13 Eltern Großeltern
1 ZDF Löwenzahn 28.05.00 11:02:28 460.000 520.000 390.000
2 ARD Die Sendung mit der Maus 28.05.00 11:31:38 380000 590.000 320.000
3 ZDF Theos Geburtstagsecke 28.05.00 10:14:43 30.000 30.000 270.000
4 ARD Brüderchen und Schwesterchen 27.05.00 12:27:56 90.000 190.000 260.000
5 MDR Kinderlied über einen Hamster 28.05.00 18:49:00 30.000 100.000 250.000
6 ZDF Hallo, hier ist Rudi 28.05.00 10:17:35 60.000 40.000 230.000
7 MDR Unser Sandmännchen 28.05.00 18:51:34 50.000 80.000 200.000
8 ARD Mein Freund der Scheich 28.05.00 11:03:05 100.000 180.000 200.000
9 NDR Neues vom Süderhof 28.05.00 18:00:52 60.000 150.000 190.000
10 ZDF Achterbahn 27.05.00 11:15:20 90.000 120.000 180.000
11 ZDF Bubu - Der Hund mit dem Hausschuh 28.05.00 10:18:32 100.000 80.000 180.000
12 KiKa Das Zaubermännchen 28.05.00 12:01:07 320.000 330.000 160.000
13 MDR Unser Sandmännchen 27.05.00 18:51:07 40.000 80.000 150.000
14 SWR Kinderquatsch mit Michael 27.05.00 12:01:02 30.000 30.000 150.000
15 NDR Die Sendung mit der Maus 27.05.00 18:00:45 40.000 100.000 130000

Quelle: BESTANDSAUFNAHME KINDERFERNSEHEN, AGF/GfK PC#TV 2000
3bis13 bedeutet Sehbeteiligung der 3-13jährigen Kinder
Eltern bedeutet Sehbeteiligung der 20-49Jährigen
Großeltern bedeutet Sehbeteiligung der ab 49Jährigen

Bei den Hits der Großeltern, die fast ausschließlich öffentlich-rechtliches Kinderfernsehen schauen, dominieren bekannte Kindersendungen wie Die Sendung mit der Maus, Löwenzahn, Sandmännchen, Neues vom Süderhof, Brüderchen und Schwesterchen und auch der aus Siebenstein seit vielen Jahren bekannte Rabe Rudi in Hallo, hier ist Rudi. Neben diesen Sendungen sieht die Elterngeneration, die sich stärker an den privaten Sendern orientiert, Cartoon-Klassiker wie Die Peanuts, Sylvester & Tweety, Familie Feuerstein und Bugs Bunny. Dazu kommen noch an Hollywoodfilme anknüpfende Zeichentrickserien wie Arielle, die Meerjungfrau, Godzilla und Superman aber auch relativ neue Sendungen wie Immer Ärger mit Newton und Pokémon. Während Großeltern bevorzugt Realfilme sehen (von den Top 30 ist nur Bubu, der Hund eine Zeichentricksendung), sind in den Tops der Eltern Zeichentricksendungen häufiger als Realfilme zu finden.

Also, recht differenziert ist das nicht, was die Erwachsenen im Kopf haben, wenn sie von Kinderfernsehen reden. Es wäre doch recht hilfreich, in eine Debatte, wie sie der "Runde Tisch Qualitätsfernsehen für Kinder" angestoßen hat, auch die Elterngeneration einzubinden, denn deren Vorstellungen von Fernsehen für Kinder bleiben weit hinter dem zurück, was sich auf dem Bildschirm für Kinder alles bietet.

3.    Die Bestandsaufnahmen zum Kinderfernsehen

Das Forschungsprojekt untersucht die Schnittlinie der Massenkommunikation zwischen den Angeboten der Sender und der Nutzung der Rezipienten. Dazu wird jährlich eine Stichprobe im Umfang von je drei Tagen einer Kalenderwoche von je ca. 400 Stunden Programm der für Kinder relevanten, in Deutschland lizenzierten Fernsehsender erhoben und mit den standardisierten Fernsehnutzungsdaten in einer Datenbank verbunden. Die folgende Diskussion bezieht sich Dienstag, 30.5.2000 sowie Samstag und Sonntag, 27. und 28.5.2000, die Diskussion lernorientierter Programme zusätzlich auf die gleichen Tage, den 29./ 30.5.1999 und 1.6.1999.

Dieser Programmstichprobe enthält alle deutschen Fernsehsender, die explizites Kinderprogramm anbieten. Das sind das für Kinder relevante Tagesprogramm der großen Anbietern ARD, ZDF, RTL, SAT.1, PRO7, RTL2 und SuperRTL in der Zeit von 6.00 bis 23.00 Uhr, das gesamte Programm des Kinderkanals Ki.Ka (6.00 bis 19.00 Uhr), das explizite Kinderprogramm von TM3 und der Dritten Programme der ARD

4.    Mediensozialisation als Fragestellungen einer Programm- und Nutzungsanalyse

Für Sozialisation wird das, was im jeweiligen Fernsehtext angelegt ist, relevant, sobald Kinder sich Aspekte dieses Angebotes in der Sinnperspektive ihres Lebenslaufes und ihrer subjektiven Themen bezogen auf ihre soziale Umgebung aneignen, wobei die auf einander bezogenen verschieden kodifizierter Angebote (Medien, Konsumobjekte, Ereignisse) der Medienverbundsysteme des Alltagslebens den Relevanzrahmen abgeben. Für unsere aktuelle Situation mit hoher Individualisierung und Fragmentierung, aber auch mit hoher Verdichtung bei der Bewältigung des Alltagslebens und mit der individuellen Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Zusammenhänge in Lebenswelten stellt sich für Erziehung wie für Sozialisation die Aufgabe, Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und in ihrer Identität zu stärken. (1. Fragebereich). Eine medial geleitete Sozialisation führt Kinder in einer typischen Weise in die Wirklichkeit unserer Welt und in unserer Art zu leben ein (Fragebereich 2). Fernsehen repräsentiert dabei in medientypischer Weise die dingliche, soziale, politische, ökonomische und kulturelle Welt für Kinder (Fragebereich 3 und 4).

Fragebereich 1: Persönlichkeitsentwicklung der Kinder

Die Untersuchung der Sozialisationsfunktion richtet sich auf den Beitrag des Programmangebotes des Fernsehens für die kindliche Persönlichkeitsentwicklung. Traditionell steht die Frage nach Gewaltdarstellungen im Vordergrund, die hier jedoch eingebunden wird in eine breitere Sichtweise, bei der es um die Entwicklung von Subjektivität in einer medienvermittelten Lebenswelt geht. Dazu gehört die Frage nach den thematischen Handlungsperspektiven von Kindern bei der Entwicklung von Ichstärke, die für geschlechtsspezifische und soziale Differenzierung wichtig ist und zu der Erlebnis- und Erfahrungsmöglichkeiten wichtig sind. (Siehe Punkt 5 und die Frage nach geschlechtsspezifischen Darstellungsweisen in Punkt 8.)

Fragebereich 2: Orientierung in der Alltags- und Lebenswelt

Ausgangspunkt ist die Diskussion, ob Fernsehen, insbesondere Kinderfernsehen, auch einen für Kinder erkennbaren Beitrag zur Orientierung in ihrer jeweiligen Lebenswelt hat. In dieser Diskussion herrscht die Hoffnung vor, eine realitätsnahe Darstellung der kindlichen Lebenswelt, insbesondere mit heutigen und hiesigen Kindern als Protagonisten, unterstütze Kinder, sich auch in ihrer Lebenswelt zu orientieren und zurecht zu finden. Deswegen geht es um die realitätsbezogene Nähe der Repräsentation der Alltagswelt von Kindern, wobei die aktuelle gesellschaftliche und kulturelle Ausdifferenzierung nach Regionen, Ethnien und Geschlecht eine Rolle für die mögliche Sozialisationsfunktion entsprechender Repräsentationsformen spielt. (Siehe die Punkte 6 und 7.)

Fragebereich 3: Die Welt der Dinge und Ereignisse

Mit der sogenannten Erlebnisorientierung kommt eine kulturell wichtige und auch neue Dynamik in die Beziehung der Menschen zur "Welt", die nicht mehr als außen und vorgegeben, sondern in der eigenen Aneignungsperspektive gegeben erscheint. Da die Konsumorientierung des Fernsehangebotes und seine Alltagsausrichtung, so zumindest die vorrangige öffentliche Diskussion, diese Abkehr von sachbezogener Information und Auseinandersetzung zu unterstützen scheint, ist es wichtig festzustellen, welche Repräsentationsmöglichkeiten Fernsehen Kindern für bzw. als Realitätserklärung bietet. Dabei geht es auch um die für Kinder wichtige Form des Lernens (Siehe Punkt 8.)

Fragebereich 4: Die Welt der Kultur und der Medien

Neben den kulturellen Feldern, die Fernsehen repräsentiert, bietet Fernsehen als etabliertes Medium Möglichkeiten, der Orientierung in einer sich ausdifferenzierenden "Medienwelt". Fernsehen, insbesondere auch Kinderfernsehen trägt zudem dazu bei, was und wie Kindheit sichtbar wird und welche Art von Fernsehen diesen Kindheitsvorstellungen entspricht. (Siehe Punkt 9.)

Ergebnisse

5.    Eine kritische Debatte tut Not! Was ARTE den Frühsehern des Kinderkanals beschert

Bei Kinderflächen und beim Kinderkanal dürfen sich Eltern wie Kinder, wenn nicht sogar auf qualitativ hochwertiges, so denn doch zumindest auf akzeptables Fernsehen verlassen. Warten Kinder auf solches Kinderprogramm vermuten sie auch nichts Schlimmes. Hoffentlich haben am Samstag, 27.05.2000, ca. 20 Minuten vor 6.00 Uhr, keine Kinder bei ARTE gewartet, das ja auf dem gleichen Kanal wie der Ki.Ka sendet, ARTE vor 6.00, der Ki.Ka ab 6.00 Uhr. Die Frage, ob und gegebenenfalls welche Gedanken sich der Redakteur von ARTE über sein Publikum gemacht hat, beunruhigt Medienpädagogen zumindest ob der Fahrlässigkeit, die dabei zum Vorschein tritt. Eltern ist der Rat mitzugeben: Vorsichtig beim Programmwechsel von ARTE zum Kinderkanal. ARTE strahlte über 20 Minuten folgende Programmvorschau aus, die sich in 6 Teile gliedert:

1. Dracula

Die Vorschau zum Film Dracula zeigt einen Filmausschnitt ohne Kommentar, Sprache oder Musik. Die Geräuschkulisse besteht aus erregtem Atmen einer jungen, weiß gekleideten, auf einem Bett liegenden Frau. Der Vampir beugt sich über die Frau, streicht mit der Hand über ihren Körper und beißt ihr am Ende der knapp einminütigen Szene in den Hals. Der Vorschau zu Dracula, eine hoch erotischen und tödlich endenden Szene, fehlt zumindest die sprachliche Einordnung oder Auflösung.

2. Die Strausskiste

Als zweites läuft ein knapp siebenminütiger Kurzfilm über eine Aufführung eines Werkes von Johann Strauss. Die Vorbereitungen einer Theateraufführung in der Garderobe ist zu sehen. Diesen selbstverständlich unproblematischen Bildern folgt eine Chirurgie-Szene, die Kinder nicht so einfach einordnen können, insbesondere wenn der Handoperation etwas folgt, das nach Handprothese aussieht.

3. Die Juni-Vorschau

"Zeichentrick..."
"...und Wissenschaft..."
"...aus erster Hand."

Die Programmvorschau für den Monat Juni 2000 schließt mit den Worten "Zeichentrick und Wissenschaft aus erster Hand." Zum Stichwort "Wissenschaft" sieht ein Zuschauer die kurze Detailaufnahme einer Handoperation. Es folgt eine kurze Sequenz mit einer Art Handschuh und einer Handprothese auf einem Holztisch. Sie erscheint zum Stichwort "...aus erster Hand". Für Erwachsene mag diese Wort-Bild-Kombination amüsant sein. Aber Kinder mit den Bildern einer Handoperation und einer Handprothese zu konfrontieren und diese Bilder nicht zu kommentieren, ist sicher nicht angemessen.

4. Tracks

     
"Für große..."
 ...und kleine Bedürfnisse."

Die Ankündigung des Musikmagazins Tracks ist nur 30 Sekunden lang, dafür aber beladen mit skurrilen Bildern kreischender Menschen, Sexspielen und einem sein Bedürfnis verrichtenden Hund.

5. Dem Täter auf der Spur

Die nächste, knapp eine Minute lange Vorschau zeigt eine verweste Leiche im Wald. Die Leiche besteht nur noch aus Überresten von Haut, Fleisch und Skelett. Dies machen Detailaufnahmen deutlich sichtbar. Unheimliche Musik untermalt die Bilder, gesprochen wird nicht.

6. Scénarios sur la drogue

Schauplatz dieser Szene ist ein Markplatz, wahrscheinlich in Frankreich. Man sieht zwei Minuten lang, wie ein Mann von Leuten Geld bekommt und ihnen dafür etwas gibt. Die Laufkundschaft setzt sich aus erwachsenen Menschen jeden Alters, Geschlechts und Milieus zusammen. Das Gesprochene beschränkt sich auf den Satz "Hast du was?". Der Mann überreicht daraufhin " jedes Mal wortlos - seinem Kunden ein kleines Tütchen und erhält dafür Geld. Der Programmstart des Kinderkanals beendet den Film Scénarios sur la drogue. Zuschauer, die den französischen Filmtitel nicht lesen können, erfahren auch nicht, was es mit dem Filmchen auf sich hat. Die Handlung bestätigt zwar nicht die Vermutung, es handele sich um einen Drogendealer, der auf dem Marktplatz seine Kunden bedient, es liegt jedoch nahe. Der Schluss bleibt offen. Kinder sind vermutlich nicht in der Lage, das Gezeigten einzuordnen.

Wer will bei diesen Bilder des öffentlich-rechtlichen Senders ARTE an einem Samstag Morgen hoffen, die auf den Ki.Ka wartenden Kinder bekämen keine Angst oder blieben ohne Verwirrung. Kinder haben doch noch keine Einordnungsmöglichkeiten, keine entsprechende Genre- und Medienkompetenz oder Lebenserfahrung, um solche kontextlosen Bilder von Vampiren, Operationen, Leichen und Drogendeals zu verarbeiten.

6.    Hilft Fernsehen, Kindern sich in ihrer Welt und in ihrem Sozialleben zu orientieren?

Wo finden Kinder erklärende Angebote im Kinderprogramm, um die aktuelle Entwicklung der Gesellschaft und der Kultur zu verstehen, um Weltanschauungen und Meinungen einordnen zu können? Betrachtet man das Kinderprogramm im engeren und wahrscheinlich eher pädagogischen Sinne nach orientierenden Angeboten, so stößt man auf Sendungen wie Logo, KIK-KinderInfoKiste (Ki.Ka), auf einzelne Elemente des Tigerenten-Clubs und von Tabaluga-tivi (ZDF und Ki.Ka) oder auf die Aktiv-Boxx (Ki.Ka). Das sind alles Sendungen des öffentlich-rechtlichen Kinderfernsehens.

Logo
KIK
Greenteam

Während Logo Kinder durch erklärende Grafiken und eine klare und einfach zu verstehende Wortwahl über die aktuelle Tagespolitik informiert, erläutert KIK-KinderInfoKiste mit vereinfachter, aber sachlicher Sprache die Zusammenhänge eines der Leitthemen der Tagesschau und vertieft sie mit Hintergrundinformation. KIK holt immer wieder bei Kindern deren Meinungen ein. Zudem präsentiert KIK Ereignisse in der Perspektive und auf dem Erfahrungshintergrund von Kindern. Nicht zu unterschätzen sind weiterhin Einzelsendungen des Tigerenten-Clubs (ARD und Ki.Ka) wie Greenteam oder Länder der Welt, die zwar nur einen kurzen Beitrag innerhalb dieser Kinderfläche bilden, die Kinder aber gerne sehen (siehe unten: Die Hits der Kids bei Angeboten zur sozialen Orientierung). Beim Greenteam besuchen Kinder Mitarbeiter von Greenpeace, berichten über Umweltaktionen und die damit verfolgten Ziele. Länder der Welt bietet Kindern in unterhaltsamer Art und Weise einen Blick in die große weite Welt, indem die Moderatoren des Tigerenten-Clubs unterschiedliche Länder der Welt besuchen und hier Aufregendes erleben.

Die Aktiv-Boxx vom Kinderkanal verbindet aktuelle Themen aus der Gesellschaft mit Themen der Kinder. Sie berichtet unter anderem über das Expo-Maskottchen, seine Herkunft und Funktion als Glücksbringer für die Expo. Im Anschluss daran werden Kinder aufgefordert, über ihre eigenen Glücksbringer zu erzählen. Sie können in der Sendung anrufen, mailen oder faxen. Der Moderator spricht mit den anrufenden Kindern und liest vor, was die einzelnen Kinder zu diesem Thema zu berichten haben.

Angebot zu typischen ethnisch-kulturelle Lebensweisen

Das Thema Integration und Fremdenfeindlichkeit taucht immer wieder in unterschiedlichen Zusammenhängen in den Medien auf. Doch wie sieht es damit im expliziten Kinderprogramm aus? Finden Kinder hier Beispiele für die ethnisch-kulturelle Differenzierung der Gesellschaft und entsprechende unterschiedliche Lebensweisen, z.B. deutsch im Vergleich zu türkisch, das Leben von Asylbewerbern oder Dialekte und Sprachen?

Die Pfefferkörner
Kabuera in tabaluga
Länder der Welt

Im Bereich ethnisch-kulturelle Differenzierung finden sich im expliziten Kinderfernsehen wenig spezifische Beispiele. Dafür gibt es im impliziten Kinderprogramm zahlreiche Sitcoms, in denen farbige Protagonisten die Hauptrolle spielen, z.B. Der Prinz von Bel-Air (RTL2), Alle unter einem Dach (PRO7) und House Party (PRO7). Typisch für diese Sitcoms ist, dass sie kein repräsentatives Bild der farbigen Bevölkerung in den USA zeichnen, denn alle sind reich, erfolgreich und genießen das Leben in vollen Zügen. Auch das Bild des türkischen Jungen und seines Onkels in den Pfefferkörnern entspricht wahrscheinlich nicht der Mehrheit der türkischen Bevölkerung in Deutschland. Dennoch bietet es Kindern ein differenziertes Bild und die Möglichkeit, sich von üblichen Klischees zu distanzieren. Einzelne Programmbeiträge von Magazin-Sendungen wie z.B. des Tigerenten-Clubs oder Tabaluga-tivi berichten von fremden Kulturen. So reisen die Moderatoren des Tigerenten-Clubs für Länder der Welt in unterschiedliche Länder und berichten von ihren Erlebnissen und Eindrücken. Ähnliches gilt für Kabuera in tabaluga, ein Programmelement innerhalb von Tabaluga-tivi, das sich stärker in die Perspektive von Kinder begibt. So berichten Kinder von einer brasilianischen Kampfsportart mit Tanzelementen. Sie werden beim Unterricht gefilmt und von Tabaluga, dem kleinen Drachen, zu Herkunft und Bedeutung dieser seltenen Kampfsportart interviewt. Bilder von Kindern aus Brasilien, die Kabuera auf der Straße praktizieren, visualisieren die Berichte. In diesem Zusammenhang befragt Tabaluga die deutschen Kinder, ob sie Unterschiede zwischen Deutschland und Brasilien sehen.

Angebote mit unterschiedlichen Stilausprägungen

Im Zuge der Ausdifferenzierung unserer Gesellschaft, die sich in einer Vielzahl von Lebensstilen, sozialen Milieus, Subkulturen und Lebenswelten ausdrückt, stehen Kinder vor einem Berg unterschiedlicher Möglichkeiten und haben die Qual der Wahl, sich hier zu verorten. Bietet ihnen das explizite Kinderfernsehen Angebote, die ihnen als Stütze beim "Basteln" ihrer Identität dienen? Hierzu gibt es vor allem zwei Formate, Magazin-Sendungen zu Life-Style und Soaps. Bei den Magazin-Sendungen handelt es sich um die sogenannten Trend-Magazine, die im expliziten Kinderfernsehen nur bei öffentlich-rechtlichen Sendern zu finden sind.

Reläxx
beatz per minute
Startaxxi
PUR

In den Bereich Lifestyle gehören Sendungen, die sich wie im Fall von Reläxx (Ki.Ka) und Pur (ZDF und Ki.Ka) auch als Trendmagazine bezeichnen. Sie bringen Berichte aus dem Bereich Freizeit und Kultur, behandeln Themen wie Mode- und Musik-Trends, ungewöhnliche Sportarten und präsentieren Stars aus der Musik-, Film- und Fernsehbranche. Sendungen wie Pur, Startaxxi (Ki.Ka), beatz per minute (Ki.Ka) und Reläxx beziehen dabei auch die Lebenswelt der Kinder mit ein, indem Kinder schon im Vorlauf über Telefon oder Internet inhaltlich Einfluss auf das Thema der Sendung nehmen können oder die aktuelle Sendung kommentieren. In den meisten Sendungen verweisen die Moderatoren auf die Internet-Adresse der Sendung und fordern Kinder dazu auf, sich zu gewünschten Themen zu äußern oder an Gewinnspielen teilzunehmen.

Schloss Einstein
Marienhof
Verbotene Liebe
 
Gute Zeiten - Schlechte Zeiten
 

In Soaps wie Schloss Einstein (Ki.Ka) finden Kinder und Jugendliche zusätzlich zu Orientierungsangeboten zu sozialen Themen auch solche zu alltagsästhetische Formen wie Kleidungs-, Wohn- und Musikstilen. So werden die unterschiedlichen Soaps, hier insbesondere die aus dem nicht-expliziten Kinderprogramm wie GZSZ (RTL), Marienhof (ARD), Verbotene Liebe (ARD) und Unter Uns (RTL) auch genutzt, um sich bestimmten Gruppen stilistisch zuzuordnen. Die Kinder "finden sich mit ihrem jeweiligen (Lebens-)Stil wieder und orientieren sich explizit an Trends, Mode und Styling der Soap." [3]

Die Hits der Kids bei Angeboten zur sozialen Orientierung

Wie nehmen die Kinder das Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender an? Betrachtet man die Sendungen, die mehr als 200.000 Kindern im Alter zwischen 3 und 13 Jahren sehen, so finden sich aus den oben genannten Sendungen nur noch Die Pfefferkörner (Teil 2: 400.000, Teil 1: 380.000), Greenteam (380.000), Länder der Welt (290.000), Schloss Einstein (250.000) und Kabuera in tabaluga tivi (210.000). Diese Sendungen erreichen nicht die ersten Plätze der Hitliste der Kinder. Dort steht statt dessen fiktionale Angebote der Zeichentrickfilme. Insbesondere Pokémon erreicht mit der Folge aus der Stichprobe 930.000 Kinder. Das ist mehr als die Hälfte der zuschauenden Kinder (Marktanteil 65%). Des weiteren finden sich Sendungen wie Immer Ärger mit Newton (SuperRTL, 540.000), Wickie (Ki.Ka, 430.000), Sailor Moon (RTL2, 330.000), Rockos modernes Leben (SuperRTL, 330.000), Norman Normal (SuperRTL, 270.000) und andere mehr. Das sind alles fiktionale Sendungen, die Formen sozialer Orientierung nur implizit in der "Geschichte" eingeflochten behandeln.

Pokémon
Norman Normal
Immer Ärger mit Newton

Pokémon als herausragender Favorit vermittelt Kindern sicher auch eine bestimmte Sicht von der Welt. Beispielsweise indem Ash und seine Freunde sich mit den Pokémons ständig auf Wettbewerben messen und gegen das Böse, das Team Rocket, kämpfen, bietet die Sendung Kindern indirekt ein Spiegelbild der heutigen Gesellschaft, in der sich der einzelne auch weiterentwickeln muss, um sich zu behaupten. Wettbewerb und Macht sind sicher ein aktuelles Thema, das auch Kinder beschäftigt.

Ob diese fiktionalen Sendungen Kindern eher helfen, sich in ihrer Welt und in ihrem Sozialleben zurechtzufinden, bleibt offen und wäre mittels qualitativer Interviews zu untersuchen. Nachdenklich macht, warum prämierte Sendungen wie beatz per minute nur 20.000 Kinder und Reläxx nur 60.000 Kinder im Alter zwischen 3 und 13 Jahren erreichen. Liegt dies eher an der Aufmachung der Sendung oder ist die Diskrepanz zu den Interessen der Kinder zu hoch? Verwunderlich ist dies schon, wenn das mit den der Ergebnissen der qualitativen Studie von Theunert und Eggert [4] vergleicht, nach der Kinder und Jugendliche sich mehr Sendungen wünschen, die ihre soziale Umwelt zum Thema haben.

7.    Wie erscheint der Alltag von Kindern auf dem Bildschirm? Realitätsnahe Darstellungen von Personen, Handlungsorten und Handlungsverläufen im expliziten Kinderfernsehen

In der Qualitätsdiskussion zu Kinderfilm und Kinderfernsehen gibt es ziemlich durchgängig die Vermutung, es gäbe so etwas wie einen mimetischen Transfer zwischen dem Alltag kindlicher Zuschauer und der Darstellungsweise auf dem Bildschirm. Je klarer sich ein Beitrag auf die Kinderwelt, wie sie sich vom Augenschein her gibt, einlässt, um so einfacher sei es für Kinder, sich Anregungen und eventuell auch Orientierung zu holen. Deshalb richtet sich die Qualitätsdiskussion darauf, die hiesige Alltagswelt zu zeigen, also mit Kindern aus der Nachbarschaft oder der Schule um die Ecke, nicht die Importware mit Schauspielern aus Kontinenten, die kaum Berührung mit dem hiesigen Leben haben. Ob diese Annahmen stimmen, sei dahin gestellt. In einem ersten Schritt gilt es festzustellen, ob und was Kinderfernsehen in dieser Richtung bietet? Die entsprechenden Programmangebote lassen sich über realitätsnahe Personen, Handlungsorte und Handlungsverläufe in der Stichprobe suchen.

Liste der realitätsnahen Programme im expliziten Kinderfernsehen am 26., 27. und 30. Mai 2000 mit mehr als 100.000 Zuschauer im Alter von 3 bis 13 Jahren

  Sender Titel Datum Uhrzeit Dauer Sehbet.
1 ZDF Löwenzahn 28-Mai-00 11:02:28 00:24:45 460.000
2 ARD Die Sendung mit der Maus 28-Mai-00 11:31:38 00:27:48 380.000
3 ARD Tigerenten Club Folge 230 28-Mai-00 09:00:22 01:22:08 340.000
(2) Ki.Ka Die Sendung mit der Maus 28-Mai-00 11:30:26 00:28:57 300.000
4 Ki.Ka Kika-Verabschiedung " Expo 30-Mai-00 18:53:37 00:01:03 300.000
5 ZDF Hallo, hier ist Rudi Teil 4 28-Mai-00 10:59:27 00:03:01 290.000
6 RTL Disney Club Folge 112 28-Mai-00 09:08:20 00:00:19 270.000
7 ZDF Tabaluga tivi Wdh 27-Mai-00 08:54:06 00:11:13 270.000
8 Ki.Ka Die Maus auf der Expo 2000 28-Mai-00 11:30:20 00:01:18 260.000
9 RTL DISNEY CLUB Folge 111 27-Mai-00 10:48:41 00:00:34 250.000
10 Ki.Ka Schloss Einstein Folge 22 Wdh 30-Mai-00 14:05:01 00:25:22 250.000
11 SRTL Doug Folge 35 28-Mai-00 17:09:54 00:10:42 250.000
12 RTL Disneys Grosse Pause Folge 2 27-Mai-00 10:27:28 00:21:13 230.000
13 Ki.Ka Tabaluga tivi Wdh 28-Mai-00 15:31:28 01:25:42 210.000
14 ZDF Tabaluga tivi Wdh 27-Mai-00 09:29:12 00:21:56 210.000
(1) Ki.Ka Löwenzahn Folge 7 Wdh 28-Mai-00 15:02:26 00:24:45 210.000
15 SRTL Super Toy Club Folge 18 27-Mai-00 17:18:35 00:26:29 210.000
16 Ki.Ka Verabschiedung 28-Mai-00 18:53:35 00:01:03 200.000
  ZDF Tabaluga tivi Wdh 27-Mai-00 10:14:05 00:05:45 200.000
  Ki.Ka Verabschiedung 27-Mai-00 18:53:47 00:01:03 200.000
  Ki.Ka Tigerenten Club Folge 230 27-Mai-00 15:30:50 01:22:03 200.000
  RTL Disney Club Folge 111 27-Mai-00 08:51:43 00:05:48 190.000
  ZDF 1 - 2 ODER 3 27-Mai-00 08:30:25 00:23:33 190.000
  RTL Disneys Pepper Ann Folge 28 27-Mai-00 08:22:33 00:22:33 190.000
  RTL Disney Club Folge 4 27-Mai-00 10:08:23 00:06:00 190.000
  Ki.Ka Philipps Tierstunde 27-Mai-00 14:01:22 01:00:41 180.000
  Ki.Ka unser Sandmännchen Folge 147 Wdh 28-Mai-00 18:54:38 00:04:58 170.000
  RTL Disneys Doug Folge 48 27-Mai-00 09:10:58 00:21:29 170.000
  SAT.1 Junior TV Wrap Around Teil 8 27-Mai-00 11:02:22 00:00:41 160.000
  Ki.Ka Wunschfilm  Mein Freund Sally Folge 18 Wdh 28-Mai-00 16:59:37 01:27:36 160.000
  RTL Disney Club Folge 112 28-Mai-00 08:45:52 00:00:32 160.000
  ZDF Tabaluga tivi Wdh 28-Mai-00 08:56:42 00:05:45 160.000
  SRTL Doug Folge 38 30-Mai-00 15:20:43 00:10:54 160.000
  Ki.Ka Achterbahn Folge 46 Wdh 27-Mai-00 15:02:45 00:24:24 160.000
  ARD Cool oder Crash  Pumuckl TV 28-Mai-00 08:19:57 00:09:12 150.000
  Ki.Ka Hallo, hier ist Rudi Wdh 28-Mai-00 14:25:53 00:01:28 150.000
  RTL Disney Club Folge 3 27-Mai-00 09:38:25 00:03:09 150.000
  SRTL Die kleinen Monster Folge 3 28-Mai-00 13:46:00 00:04:51 150.000
  Ki.Ka Boing! Wdh 28-Mai-00 13:30:45 00:26:46 150.000
  Ki.Ka Musik Box Wdh 28-Mai-00 11:26:26 00:02:47 140.000
  RTL Disney Club Folge 111 27-Mai-00 08:22:19 00:00:14 140.000
  Ki.Ka Hallo, hier ist Rudi Wdh 28-Mai-00 14:16:36 00:00:57 140.000
  ARD Tigerenten Club Folge 230 27-Mai-00 11:03:47 01:22:08 130.000
  Ki.Ka 1 - 2 ODER 3 Wdh 27-Mai-00 16:53:51 00:23:32 130.000
  SAT.1 Die Scooby-Doo- Show 27-Mai-00 10:01:49 00:23:50 130.000
  ARD Kinderstube 28-Mai-00 08:56:43 00:03:39 130.000
  SRTL Kratts Safari Folge 10 27-Mai-00 15:55:40 00:27:22 120.000
  ZDF Tabaluga tivi Wdh 28-Mai-00 08:11:49 00:21:56 120.000
  Ki.Ka Startaxxi Folge 22 27-Mai-00 09:56:30 00:05:28 110.000
  ARD Schloss Einstein Folge 67 27-Mai-00 10:34:39 00:24:59 110.000
  Ki.Ka Schloss Einstein Folge 90 Wdh 27-Mai-00 18:01:28 00:25:40 110.000
  Ki.Ka Musik Box Wdh 27-Mai-00 08:29:01 00:02:46 110.000
  ARD Moderation Kinderprogramm 27-Mai-00 08:53:14 00:06:37 110.000
  Ki.Ka Musik Box Wdh 30-Mai-00 12:39:50 00:03:08 100.000

Quelle: BESTANDSAUFNAHME KINDERFERNSEHEN AGF/GfK PC#TV 2000
Sehbet. = Sehbeteiligung der Kinder im Alter von 3 bis 13 Jahren

Besonders attraktiv sind Kindermagazine mit Schauspielern, Orten und Handlungsverläufen, die unmittelbar mit dem Kinderalltag korrespondieren. Hierzu gehören Löwenzahn (ZDF, Ki.Ka), Die Sendung mit der Maus (ARD, Ki.Ka) und der Tigerenten Club (ARD, Ki.Ka). Das Magazin Tigerenten Club fasst verschiedene Einzelsendungen unterschiedlicher Formate zu einer Fläche zusammen. Diese Fläche enthält auch die fiktionale Detektivgeschichte Die Pfefferkörner, die sich bei den Kindern im Alter von 3 bis 13 Jahren großer Beliebtheit erfreut.

Daneben gibt es bei den nichtfiktionalen Sendungen Spiel- und Quizshows, wie z.B. der Super Toy Club (SuperRTL) oder 1-2 oder 3 (ZDF, Ki.Ka). Natürlich steht die Sendung mit der Maus (ARD, Ki.Ka) ebenfalls ganz oben auf dieser Liste. Besonders interessant sind Magazinbeiträge mit Kindern als Hauptdarsteller wie z.B. das Greenteam im Tigerenten Club (ARD, Ki.Ka) und Kabuera in Tabaluga tivi (ZDF, Ki.Ka). In dieser Dimension fiktional/ nichtfiktional finden sich natürlich auch so bekannte Mischformen wie Löwenzahn. Die Bandbreite der Programme, die Kinderalltag realitätsnah darstellen, zeigt sich im Vergleich der aufwendigen Filmproduktion fiktionaler Programme mit den Magazinen, in denen Kindern agieren.

Fiktionale Programme

Diese Favoritenliste führen an den drei Stichprobentagen Sendungen an, in denen Jugendliche und Kinder Geschichten aus ihrem Alltag erleben. Sie besteht aus einer Mischung von Detektivgeschichten und Soap Operas für Kinder. Mädchen und Jungen sind die Hauptdarsteller dieser Serien. Sie sind in Gruppen von fünf bis zehn Personen oder in eine Familie eingebunden, gehen zur Schule, treffen sich in ihrer Freizeit mit Freunden und erleben kleine Abenteuer.

Die Pfefferkörner
Schloss Einstein

Im Mittelpunkt der Sendungen stehen also Kinder. Abenteuer, witzige Erlebnisse und Konflikte, die sie durchleben, sind in der Regel realitätsnah und nachvollziehbar. Fantasiegeschöpfe, rasante Verfolgungsjagden oder spektakuläre Action sind hier nicht zu finden. Erwachsene spielen bei den Pfefferkörnern und Schloss Einstein nur eine untergeordnete Rolle. Es fällt auf, dass Kinder in Konfliktsituationen oftmals gegen die Erwachsenen gewinnen.

Bei den Pfefferkörner ist klar, die Handlung spielt in Hamburg und es geht um "echte" Kinder. Ebenso sind die Personen und die Beziehungen, in denen sie stecken, die Clique oder die Familie, als realitätsnah erkennbar. Realitätsnähe und Realitätsferne verschwimmen jedoch in diesen Sendungen. Dabei bedeutet realitätsfern nicht unbedingt eine unrealistische Darstellungsweise. Natürlich ist die erzählte Geschichte als fiktional erkennbar. Die Mittel der Darstellung, z.B. die Schauspieler, die Kulissen, wirken sehr echt, also real. Das in den Pfefferkörnern behandelte Thema "Drogen an der Schule" mag ebenfalls zur Alltagswelt einiger Kinder gehören. Der türkische Junge Cem mag für zuschauende Kinder unrealistisch erscheinen, da Filme wie Erkan und Stefan oder Sendungen wie Was guckst Du? (SAT.1) keinen so belesenen und sprachlich elaborierten türkischen Mitmenschen zeigen, wie es Die Pfefferkörner tun. Möglicherweise ist für Kinder auch das freche und agile Verhalten der Mädchen in der Sendung nachvollziehbar und alltäglich. Vermutlich ist es die Nähe zur individuellen Lebenswelt der Rezipienten, die begründet, ob Elemente einer Sendung realitätsnah oder realitätsfern sind.

In der Liste der fiktionalen Programme finden sich auch Zeichentrickserien wie Dough (RTL, SuperRTL) und Pepper Ann (RTL). Auch hier geht es um Alltagsgeschichten von Kindern, die zu Schule gehen, in eine Familie und Clique eingebunden sind und kleine Abenteuer erleben. Gerade die freche und aufgeweckte Pepper Ann schafft es, gelingendes Kinderleben zu zeigen, indem sie im täglichen Umgang mit Erwachsenen diese häufig übertrumpft, aber auch immer wieder von ihren Eltern aufgefangen wird. Auch Zeichentricksendungen können realitätsnah sein. So hat Pepper Ann keine Superkräfte, ihr Leben als Schülerin und Teenager gelingt durch ihr unbedarftes Verhalten und die vielen kleinen Missgeschicke.

Verglichen mit Pepper Ann scheinen Schloss Einstein und die Pfefferkörner recht trocken, vielleicht sogar etwas bieder. Aber auch Pepper Ann achtet ähnlich wie Schloss Einstein und die Pfefferkörner darauf, dass Männer nicht immer die Helden sind. Trotzdem wirkt die Alltagswelt der Pfefferkörnern und von Schloss Einstein doch ziemlichen pädagogisch konstruiert.

Magazine mit Kindern

In den Magazinen des expliziten Kinderfernsehens gibt es realitätsnahe Elemente. Das sind insbesondere die nicht-fiktionalen Beiträge mit Kindern als Hauptdarsteller, die sich in den Kindermagazine Tigerenten Club und Tabaluga tivi finden.

Greenteam (Tigerenten Club)
Kabuera in Tabaluga tivi

Im Greenteam (Tigerenten Club) und Kabuera (Tabaluga tivi) erkunden Kinder neugierig die Welt. Sie ziehen los und berichten z.B. über Tierschutzaktivitäten von Greenpeace oder entdecken einen Tanz, der auch eine Kampfsportart ist. In diesen Beiträgen bekommen die Zuschauer Einblicke in die Lebenswelt anderer Kinder. Wenn es darum geht Inhalte zu vermitteln, in Magazinen oder in lernorientierten Programmen, dann sind es in der Regel Erwachsene, die diese Aufgabe übernehmen. Dieses Verhältnis kennen Kinder aus ihrem Alltag z.B. aus der Schule. Die Idee, dass Kinder von Kindern lernen, ist zwar nicht neu, jedoch selten anzutreffen.

Fazit: Die Frage nach einer realitätsnahen Darstellung, die Kinder ihre Alltagswelt repräsentiert, beschränkt sich zumeist darauf, ob in Filme und Sendungen echte Schauspieler an als wirklich erkennbare Handlungsorte agieren. Diese Beiträge strahlen hauptsächlich die öffentlich-rechtlichen Sender aus. Aber auch hier wäre der Gedanke zu pflegen, ob Kinder ihre Lebensperspektive nicht ebenso in Zeichentricksendungen entdecken.

8.    Lernorientierte Programme

In der Stichprobe 2000 sind von den 400 Stunden aufgezeichnetem Programm etwa 28 Stunden mit Lernorientierung. Lernorientierung wird in diesem Zusammenhang weit definiert, vorrangig kognitiv und ohne soziales Lernen in einem weiteren Sinne. [5] Die folgende Skizze soll nur die unterschiedlichen Präferenzen von Jungen und Mädchen in Sachen Lernen zeigen. Das legt einen zweiten Auswertungsschritt nahe, nämlich zu fragen, wer denn Jungen und Mädchen die Welt erklärt. Leider zeigt das Ergebnis eine deutliche geschlechtsspezifische Verzerrung.

Lernorientierte Top10 der 3-13jährigen Mädchen im Mai 2000

  Sender Titel Datum Uhrzeit Seh_F3-13

RTL2

POKÉMON

30.05.00

14:48:42

380.000

ZDF

LOEWENZAHN

28.05.00

11:02:28

240.000

ARD

DIE SENDUNG MIT DER MAUS

28.05.00

11:48:46

200.000

ARD

TIGERENTEN CLUB

28.05.00

9:00:22

180.000

KiKa

DIE SENDUNG MIT DER MAUS

28.05.00

11:30:26

160.000

ZDF

SIEBENSTEIN

28.05.00

10:34:46

140.000

ZDF

TABALUGA TIVI

27.05.00

9:43:00

140.000

ZDF

1 - 2 ODER 3

27.05.00

8:30:25

120.000

KiKa

TABALUGA TIVI

28.05.00

16:16:56

120.000

KiKa

TIGERENTEN CLUB

27.05.00

15:30:50

130.000

Seh_F3-13 bedeutet Sehbeteiligung der Mädchen zwischen 3 und 13 Jahren
Quelle: BESTANDSAUFNAHME KINDERFERNSEHEN, AGF/GfK PC#TV 2000

Die Pokémon-Begeisterung der Kinder zeigt sich natürlich auch bei den Vorlieben der Kinder in Sachen Lernen, obwohl Mädchen ansonsten deutlich zu den öffentlich-rechtlichen Sendern tendieren. Die Rezeptionsdaten des Kinderkanals belegen deutlich, wie wichtig dieses Angebot ist, auch wie etabliert dabei Löwenzahn ist. Die Kinderspielshow 1,2 oder 3 sehen besonders 6- bis 9jährigen Mädchen sehr gerne.

Lernorientierte Top 10 der 3-13jährigen Jungen im Mai 2000

  Sender Titel Datum Uhrzeit Seh_M3-13

RTL2

POKÉMON

30.05.00

14:48:42

550.000

ZDF

LOEWENZAHN

28.05.00

11:02:28

210.000

ARD

DIE SENDUNG MIT DER MAUS

28.05.00

11:48:46

200.000

ARD

TIGERENTEN CLUB

28.05.00

9:00:22

180.000

RTL

DISNEYS HERCULES

28.05.00

8:46:24

180.000

RTL

DISNEY CLUB

27.05.00

8:51:43

180.000

SRTL

DODO

28.05.00

17:48:09

160.000

KiKa

TELETUBBIES

30.05.00

18:29:31

150.000

KiKa

DIE SENDUNG MIT DER MAUS

28.05.00

11:30:26

140.000

SRTL

SUPER, METTY

28.05.00

17:20:42

150.000

Seh_M3-13 bedeutet Sehbeteiligung der Jungen zwischen 3 und 13 Jahren
Quelle: BESTANDSAUFNAHME KINDERFERNSEHEN, AGF/GfK PC#TV 2000

Dank der bekannten Sendungen Löwenzahn, Tigerenten Club, Der Sendung mit der Maus und den teletubbies sind die öffentlich-rechtlichen Sender genauso oft in der Hitliste vertreten wie die privaten.

Divergenzen zwischen den Interessen der Mädchen und der Jungen 2000

Ausgewählt wurden alle Sendungen, die eine Sehbeteiligungsdifferenz zwischen den 3- bis 13jährigen Mädchen und Jungen von mindestens 50.000 haben.

  Sender Titel Datum Uhrzeit Seh_M3-13 Seh_F3-13 Divergenz

ZDF

Tabaluga tivi

27.05.00

9:39:34

140.000

70.000

Viele

ZDF

1-2 oder 3

27.05.00

8:30:25

120.000

70.000

Mädchen

ZDF

Am Zoo 64

27.05.00

8:19:29

100.000

50.000

Und wenig

KiKa

Tigerenten Club

27.05.00

15:30:50

130.000

80.000

Jungen

               

SRTL

Super, Metty

28.05.00

17:20:42

100.000

150.000

Viele

SRTL

Kratts Safari

27.05.00

15:55:40

30.000

90.000

Jungen

SRTL

Dodo

28.05.00

17:48:09

90.000

160.000

Und wenig

RTL

Disney Club

27.05.00

9:38:25

40.000

100.000

Mädchen

RTL

Disneys Hercules

27.05.00

9:41:34

70.000

150.000

 

RTL

Disneys Hercules

28.05.00

8:46:24

50.000

180.000

 

RTL

Disney Club

27.05.00

8:51:43

20.000

180.000

 

RTL2

Pokémon

30.05.00

14:48:42

380.000

550.000

 

Seh_M3-13 bedeutet Sehbeteiligung der Jungen zwischen 3 und 13 Jahren
Seh_F3-13 bedeutet Sehbeteiligung der Mädchen zwischen 3 und 13 Jahren
Quelle: BESTANDSAUFNAHME KINDERFERNSEHEN, AGF/GfK PC#TV 2000

Mädchen schauen lieber den Tigerenten Club als den Disney Club und bleiben gerne bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Bei den Sendungen, die von vielen Jungen und wenig Mädchen gesehen werden, finden sich auffällig viele Disney-Produktionen.

Bei den geschlechtspezifischen Unterschieden fallen die Senderpräferenzen auf. Mädchen sehen öfter öffentlich-rechtliche und Jungen eher private Programme. Das liegt vermutlich an den Identitäten, die sich die Sender geben, oder die sich bei den Sendern entwickelt haben. Der Disney Club gehört in einen eher männlichen belegten Kontext, zudem alle in der Programmfläche vorkommenden Zeichentrickprotagonisten und sogar die Off-Stimmen der erklärenden, lernorientierten Teile männlich sind. Die Zwischenmoderation Vampy liegt zwischen den zwei Zeichentrickserien Die Glücksbärchis und Das häßliche Entlein. Auch Hippo Hurra und Am Zoo 64 sind Zeichentrickserien. Gerade bei Mädchen zwischen sechs und neun Jahren besteht eine hohe Affinität zu dieser kindlichen Ästhetik. Die relativ hohe Sehbeteiligung dieser Gruppe trägt zu einer Erhöhung der Sehbeteiligung der Mädchen von 3-13 Jahren im Allgemeinen bei.

Wer erklärt den Kindern die Welt und vergisst dabei, dass es auch Mädchen gibt?

Für Mädchen ist es fast unmöglich, Sendungen zu finden, in denen ihnen Fachfrauen den Blick auf die Bereiche Natur und Technik öffnen. Also auch im Kinderfernsehen sind Natur und Technik männlich dominiert.

An drei Stichprobentagen im Mai 1999 und 2000 liefen insgesamt 191 Sendungen mit lernorientiertem Inhalt. Nur knapp ein Drittel davon hatte eine Moderatorin zusammen mit einem Moderatoren. Nur weniger als ein Zehntel der lernorientierten Kinderprogramme moderierte eine Frau alleine. Sie sind in Schau mal (BR), im Disney Club (RTL), im Maus-Club (ARD und Kinderkanal), bei Logo (Kinderkanal), im Ki.Ka Studio (Kinderkanal) und teilweise im Tigerenten Club (ARD und Kinderkanal) zu sehen. Mit Ausnahme der Clubs sind alle anderen lernorientierten Elemente, die Frauen moderieren, nicht länger als 5 Minuten. Daher ergibt sich, bezogen auf die Sendedauer, eine weibliche Präsenz unter den Moderatoren von 3% der ausgestrahlten Zeit der lernorientierten Programmen. Im überragenden Teil der Sendungen (nach deren Anzahl: ca. 55%, und auch nach deren Sendedauer: ca. 45%) erklären immer noch Männer alleine den Kindern die Welt.

Eine typische Sendung, mit weiblicher Moderatorin ist der Maus-Club, in dem zwei junge, dynamische Frauen, Tina und Sharin, mit Kindern (10 Kinder in 2 Gruppen) im Studio spielen. Die Beiträge sind in Form der Sachgeschichten der Sendung mit der Maus aufbereitet. Die lernorientierten Themen kommentieren jedoch eine Männerstimme aus dem Off oder es interviewt ein Moderator. Also auch hier erklären Männer den Kindern die Welt.

Nur als Ausnahmen ist auch eine See-Frau möglich

Zu Beginn des Disney-Club tritt dagegen eine Seefrau statt eines Seemanns auf und stellt einer Kindergruppe die Aufgaben eines Schiffsjungen vor. Der bunte LKW des Disney-Clubs hält an einem Schiffshebewerk und zwei Jugendliche, der farbige Tobi und die blonde Tina steigen aus. Sie erzählen den Zuschauern, dass sie heute ihr Schiffsjungen- bzw. Schiffsmädchendiplom zusammen mit einer Gruppe Kinder machen wollen. Ein "Ahoi" der Seefrau begrüßt die Landratten an Bord, die erst einmal eine Ankertätowierung, das ist ein Stempel, bekommen. Am Anfang wird An- und Ablegen geübt. Eine Frauenstimme auf dem Off kommentiert die mit Musik unterlegten Szenen. Die Seefrau erklärt Tobi, wie er zum Anlegen das Seil werfen muss, damit die Kinder auf dem Steg das daran befestigte Tauende an Land ziehen können. Tina spielt am Ruder herum, während die anderen das Deck schrubben. Danach erhalten alle das Diplom. (Es folgt der Classic-Cartoon "Donald der Hypnotiseur". Donald hypnotisiert mit Hilfe einer speziellen Brille Pluto, der glaubt, eine Maus, eine Schildkröte, ein Huhn und noch andere Tiere zu sein. Natürlich geht dabei wieder allerlei schief. Nach einer Werbepause und einer Zwischenmoderation kommt die Zeichentrickserie Timon und Pumba, die sich an den Kinofilm "König der Löwen" anschließt.)

Ungewöhnlich für lernorientierte Programme ist die Darstellung einer Frau in einem typischen Männerberuf. Hier gibt es keine Männestimme aus dem Off, die noch etwas erklärt. Sollte es nicht selbstverständlich für Kinderfernsehen sein, Frauen und Männer gleichermaßen und gleichberichtigt in ihrer Lebenswelt zeigen und sie auch die Welt erklären lassen?

9. Der Beitrag des Kinderfernsehens, Fernsehen durchschaubar zu machen

Fernsehen selber hat gute Möglichkeiten, sich selber durchschaubar zu machen und zum Beispiel mit den Mitteln des witzigen Cartoons Werbung zu erklären.

Für die Kleinen bietet hier der folgende Cartoon etwas, der im Disney Club auf der Kinderfläche von RTL lief. Hauptfiguren sind die Disney-Figuren eines Hundes und einer Katze. In einem altmodischen Fernseher läuft in Schwarzweiß ein Werbspot zum "geschmacksgetesteten Truthahn" namens "Lurky". Hund und Katze schlafen vor dem Fernseher im Lehnstuhl und auf dem Sofa. Als der Hund aufwacht und auf dem Bildschirm den Truthahn entdeckt, will er ihn aus dem Fernsehgeräte herausangeln, was natürlich nicht gelingen kann. Er verheddert sich in den Stromkabeln, womit eine Folge von Slapstick-Abenteuern startet. Weil der Sprecher des Werbspots darauf verweist, in jeder Küche sei solch ein Truthahn zu finden, verlagern sich die Slapstick-Kapriolen in die Küche, wo Hund und Katze im Kühlschrank auch einen Truthahn finden, was den Auftakt zu einem gierigen Gebalge von Hund und Katze bildet. Wieder zurück im Zimmer sieht der Hund auf dem Bildschirm, wie die Katze den Truthahn verzehrt. Während erneut der Werbespruch vom geschmacksgetesteten Lurky-Truthahn läuft, sehen Hund und Katze zu, wie der zu Kohle zerbratene Truthahn zerfällt und nur noch das Gerippe übrig bleibt.

Trailer als Ordnungsmöglichkeit

Die Menge der Sendungen, die sich Kinder über die Fernbedienung auf den Bildschirm holen können, ist nicht einfach zu durchschauen. Als eine Ordnungsmöglichkeit, zwar mehr als Programmwerbung gedacht, haben die Sender vermehrt Trailer entwickelt, die Zuschauern die Möglichkeit offerieren, ihren Fernsehablauf im voraus zu organisieren. Sie weisen entweder kurzfristig auf Sendungen innerhalb der kommenden Stunde oder mittelfristig auf Programme, die innerhalb der kommenden Woche ausgestrahlt werden. Es gibt auch Trailer mit Verweisen auf Sendungen, die erst innerhalb des kommenden Monats angeboten werden. Ein zweiter Typ von Trailer enthält vor allem Informationen über den Inhalt einzelner Sendungen und Sendeflächen, ihre Eignung für bestimmte Altersgruppen und über mit ihnen in Verbindung stehende Medien- und Ereignisarrangements.

Aufgrund der Informationen, die Trailer vermitteln, können die Zuschauer sich schon vor Beginn einer Sendung orientieren. Sie haben die Möglichkeit, die gewonnenen Informationen zu bewerten und können abschätzen, ob eine Sendung für sie interessant oder geeignet oder ungeeignet ist, um ev. dorthin zu manövrieren.

Vom Informationsgehalt her unterscheiden sich die Trailer der öffentlich-rechtlichen Sender nicht von denen der privaten Sender, wohl aber die Trailer in Kinderflächen und dem Ki.Ka von Trailern des "Erwachsenenprogramms". Hier ist ein Unterschied im ästhetischen Aufbau zu erkennen: Die Trailer innerhalb von Kinderflächen und im Kinderkanal Ki.Ka sind in das optische Erscheinungsbild der Fläche bzw. des Senders eingebunden. Sie spiegeln das Format und den Charakter der Fläche und der "betrailerten" Sendung. So umrahmt Pro7 beispielsweise auf seiner Kinderfläche Trailer für Cartoons bunt. Auch beim Ki.Ka ist dem Zuschauer klar, wie er die beworbenen Sendungen einzuordnen hat.

Ein sehr schönes Beispiel zur Eigeninterpretation eines Senders und somit auch ein Beispiel für Orientierung ist eine kurze Programminformation beim Ki.Ka. Ein junger Mann begrüßt die Zuschauer. Die Fernbedienung bräuchten sie jetzt nicht mehr, "denn alles, was ihr haben wollt im Fernsehen, das bekommt ihr hier bei uns im Ki.Ka. Action und Spannung bei Vicky und bei Spellbinder, es gibt Lehrreiches und Lustiges in der Sesamstrasse und interessante, witzige Geschichten vom alten Bären. "Damit geht es auch weiter hier bei uns im Ki.Ka. Viel Spaß dabei und vor allem viel Vergnügen in den nächsten Stunden hier bei uns."

Diese Informationen bekommen Zuschauern zwar nicht in Form von Trailern, sie sind aber trotzdem hoch verdichtet und wesentlich gehaltvoller als normale Programmankündigungen in Trailerform.

Die betrachteten Trailer reduzieren sich nicht nur auf die Angebote innerhalb des expliziten Kinderprogramms. Würde man sein Betrachtungsfeld darauf beschränken, so fielen u.a. die Jugendschutztrailer, die eine eindeutige Orientierungsfunktion haben, weg. Im Fernsehprogramm, also nicht nur im expliziten Kinderfernsehen finden sich zwei Typen von Trailern:

Trailer zur Zeitstrukturierung

Der Schwerpunkt dieses Trailertyps liegt auf der zeitlichen Strukturierung des Programmangebotes eines Senders. Diese kurzfristig orientierenden Trailer verweisen auf Sendungen am gleichen Tag. Sie strukturieren das Programmangebot eines Senders für den aktuellen Tag oder die aktuelle Fläche.

Pro7
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Pro7
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Mittelfristig ausgerichtete Trailer greifen maximal sieben Tage voraus und strukturiert somit mittelfristig.

RTL2
Sat1
RTL2
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Längerfristig orientierende Trailer kündigen meist "Spielfilmhighlights" (ohne exakte Tages- oder Zeitangabe) oder neue Sendungen bis zu einem Monat im Voraus an und dienen aufgrund ihres werbenden Charakters weniger der zeitlichen Strukturierung als eher der Zuschauerwerbung und -anbindung. Der Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von Inhalten.

RTL2
Pro7

Trailer mit inhaltlichen Informationen

Dieser Trailertyp bietet Informationen zu Inhalten von Programmen, richtet sich an bestimmte Adressaten oder verweist auf andere Medien oder Ereignisse. Das sind Trailer zu Flächen z.B. "Ich glaub" ich bin im Feierabend" [6] , "Willkommen zu Hause", "Helden am Sonntag"

RTL2
RTL
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Trailer zu Sendungen für bestimmte Altersgruppen, für Kinderflächen oder Jugendschutzhinweise

RTL
Pro7

Trailer, die für Medien- und Ereignisarrangements werben

RTL2

Ein wesentliches Merkmal eines Programmtrailers ist die begleitende, meist männliche Stimme aus dem Off. Sie beschreibt Sendezeitpunkt und den Inhalt der Sendung, die beworben wird. Gerade Kindern, die noch nicht lesen und sich so nicht mittels des von einem Trailer begleiteten Schrifttextes oder einer Programmzeitschrift über das Programmangebot informieren können, wird hier eine wichtige Hilfestellung gegeben. Diese Kinder sind nicht auf Geschriebenes, und damit auf die Hilfe anderer angewiesen, sondern können über gesprochenes Wort und Bilder eigenständig Informationen einholen. Vielleicht ist gerade das ein Weg, Kinder in einer verflochtenen Welt der Medien an die Hand zu nehmen, ohne ihnen dabei ihre Kompetenz abzusprechen.

[1] Medienspiegel. Mediendienst des Instituts der deutschen Wirtschaft. Jahrgang 24, Nr. 45, 6. 11. 2000, S. 6; Jahrgang 25, Nr. 5, 29.1.2001, S. 5; SuperRTL, Pressemitteilung vom 18.1.2001;

[2] Folgende Web-Adressen bieten Informationen zum Projekt "Bestandsaufnahme zum Kinderfernsehen: www.uni-kassel.de/fb1/mediafb1 (Rubrik: Forschung) oder www.br-online.de/jugend/izi/bestand.htm

[3] Götz, Maja: Die Bedeutung von Daily Soaps im Alltag von 10 - 15 Jährigen. In: Televizion: "...Wenn die Soap läuft, habe ich für niemanden Zeit. Da bin ich nur ich und die Soap...", 13/2000/2, S. 54; vgl. auch Göttlich, Udo, Nieland, Jörg-Uwe: Daily Soaps als Umfeld von Marken, Moden und Trends: Von Seifenopern zu Lifestyle-Inszenierungen. In: Jäckel, Michael (Hrsg.): Die umworbene Gesellschaft. Analyse zur Entwicklung der Werbekommunikation. Opladen: Westdeutscher Verlag 1998, S. 179 - 208).

[4] Theunert, Helga, Eggert, Susanne.: Was wollen Kinder wissen? Angebot und Nachfrage auf dem Markt der Informationsprogramme. In: Media Perspektiven 12/ 2000, S. 582f.

[5] Zu Angebot und Nutzung lernorientierter Programme ist die Erhebung von1998 veröfentlicht unter: Ben Bachmair, Ole Hofmann: Lernorientierte Kinderprogramme: Was heißt "Lernen" im Angebot des Kinderfernsehens. In: Televizion , Heft 11/1998/2, München (Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen, IZI) 1998, S. 4-20

[6] "Ich glaub" ich bin im Feierabend" zählt deshalb zu den themenbezogenen Flächen, da innerhalb dieser Fläche ausschließlich Serien laufen, die als Hauptthema die Familie und familiäre Beziehungen haben: "Auf schlimmer und ewig", "Eine starke Familie", "Full House", "Ein Single kommt immer allein", "Der Prinz von Bel-Air".


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