| Bestandsaufnahme zum Kinderfernsehen 2002 |
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| Clemens Lambrecht |
Lernorientierte Programme - von wem für wen?
Anfang 2003 hat die Sesamstrasse ihren 30. Geburtstag
gefeiert. Die „Sendung mit der Maus“ ist schon seit dem Jahre 2000 Jahren
kein Twen mehr. Die Liste der schon seit mehreren Kindergenerationen bestehenden
Formate lässt sich bequem verlängern: „Löwenzahn“ (seit 1978 [1] ), „1-2
oder 3“ (seit 1974, erst als Räuber und Gendarm, dann als Dreiländerspiel),
„Siebenstein“ und „Logo“ (beide seit1988) „Es war einmal ... Das Leben“ (seit
Ende der 80er Jahre) und sicherlich gibt es noch viele mehr. All den genannten
Formaten ist gemein, dass die Idee vom Lernen mit dem Fernsehen ein tragendes
Element des Konzeptes ist. Es gibt also in Deutschland eine langjährige Tradition
von Lernen mit dem Fernsehen. Neben den altbekannten Formaten gibt es aber
besonders in den letzten Jahren auch viele neue! Da sind z.B.
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Was ist was TV, das sich an die bekannte Kinder- und Jugendbuchreihe
anlehnt, |
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Klugbeisser, in dem Thomas Schmelzer je eine eingesandte naturwissenschaftliche
Frage der zusehenden Kinder in drei Minuten beantwortet, |
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die Kunst- und Bastelsendung Art Attack, in der Anleitungen zur
künstlerischen Herstellung oder zum Verschönern von Alltagsgegenständen
gegeben werden, die zum Ende der Sendung noch einmal zusammengefasst werden, |
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„Wissen macht Ah!“, ein moderiertes Magazin, das ähnlich wie die Sachgeschichten
der Sendung mit der Maus naturwissenschaftliche und technische Fragen erläutert, |
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ein weiteres Magazin zu Natur, Technik und Gesellschaft: „Null-Acht-13“
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die Trick Boxx, ein Magazin rund um die Technik und Vorgänge beim Entstehen
von Fernsehsendungen. |
Diese wenigen Sendungen sollen stellvertretend für viele weitere stehen, die
in den letzten Jahren neu entstanden sind.
Die meisten Sendungen richten sich an Vor- und Grundschulkinder, da geht es
zum Beispiel um Zahlen und Buchstaben, um Technik und Tiere. Themen von älteren
Kindern und Jugendlichen werden selten aufgegriffen. Daher haben die Sendungen
auch bei den kleineren Kindern (besonders bei den 3-5jährigen) die höchsten
Sehbeteiligungen. Lernen mit dem Fernsehen ist also eher Sache der Kleineren.
Die 10-13jährigen Jungen und Mädchen schauen höchstens noch Die Sendung mit
der Maus oder das Wissenschaftsmagazin Galileo.
Aus schulischer Sicht befassen sich die meisten Sendungen mit Themen aus den
Naturwissenschaften (vor allem Biologie, Physik, Chemie). Daneben gibt die Sesamstrasse,
die Vorschülern Schreiben, Zahlen und Rechnen näher bringt. Ein bisschen Geographie,
Gesellschaftslehre und Politik finden sich in den Kindernachrichtensendungen
logo und Schau mal. Aber die große Mehrzahl der Sendungen befasst
sich mit naturwissenschaftlichen Themen.
Interessant ist, dass die meisten neuen, aber auch viele bekannte Formate in
Form von Magazinen aufgebaut sind.
Magazine und andere Sendungsformen
In diesen Magazinsendungen wechseln sich Sequenzen
mit meist curricularen Lerninhalten und Unterhaltungselemente ab. Innerhalb
dieser Unterhaltungselemente werden Themen der sozialen Orientierung oder
weiter gefasst des sozialen Lernens behandelt. Wenn die Chance ergriffen wird,
in den Rahmenhandlungen das Thema der lernorientierte Sequenzen zu integrieren
(z.B. lustige Geschichten zu diesem Thema), so haben die Zuschauenden die
Möglichkeit noch einmal über das gerade Gesehene nachzudenken und es aus einem
anderen Blickwinkel zu betrachten, oder es zusammenzufassen oder anzuwenden;
sie können sich aber auch einfach entspannen. In diesem Sinne sind gerade
in der Sesamstrasse auch die Zwischenelemente mit den Muppets lehrreich,
auch wenn sich die Sesamstrasse selber in erster Linie als Unterhaltungsprogramm
sieht. Ein weiterer Vorteil des Magazinformats sind die kürzeren Handlungs-
und Spannungsbögen und die dazwischenliegenden Erholungsphasen, was gerade
den Sehgewohnheiten der kleineren Kinder nahe kommen.
Gerade bei der Sendung mit der Maus zeigt
sich zudem die Flexibilität der Magazinform, immer neue Geschichten werden
in die Sendung integriert und oft werden sie so erfolgreich, dass sie sich
verselbständigen. Beispiele dafür sind sicherlich die Janosch-Geschichten,
allen voran Bär und Tigerente, „Käpt‘n Blaubär“ und „Lars, der Eisbär“, deren
hoher Bekanntheitsgrad sich nicht zuletzt auf die Zeit in der Sendung mit
der Maus gründet. Ohne die Rahmengeschichte verändern zu müssen, kann
so ein stetiger Wandel erfolgen, der die Programme attraktiv hält. So ist
auch aus dem „Pumuckl“ nun ein Magazin geworden.
Neben den Magazinen gibt es noch Sendungen, in denen Lerninhalte in fiktionalen
Geschichten eingewoben sind. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Zeichentrickserien
Es war einmal ... Das Leben und Es war einmal ..., in der verschiedene
humanbiologische, naturwissenschaftliche und historische Zusammenhänge als eine
Art Abenteuergeschichte erzählt werden. Ein neueres Beispiel für Lerninhalte
innerhalb einer fiktionalen Geschichte ist die computer-animierte Serie Kleine
Planeten in der Bing und Bong (nicht speziefizierbare Wesen) jedes mal zu
Anfang vom Sofa in ihrem Wohnzimmer auf eine Reise ins Weltall starten. Dort lösen sie kleine
Aufgaben, die sie am Anfang gestellt bekommen. Dabei sollen sie meist den fremden
Bewohnern der fremden Planeten helfen. Am Ende werden sie von einem langen Gummiseil
wieder zurück in ihr Wohnzimmer gezogen. Diese Sendungen sind nur ca. 5 Minuten
lang. Nach einem Trailer wird meist eine zweite Geschichte aus der Serie ausgestrahlt.
Es gibt noch einige wenige kurze Spots, die weder in die Kategorie der Magazine
noch zu den fiktionalen Geschichten zählen. In ihnen wird ein einzelner Sachverhalt
oder eine Frage eingehender erläutert. In der drei Minuten Sendung Klugbeißer
klärt der Moderator z.B. anhand eines einfachen Versuchs, warum ein vom Tisch
fallendes Brot meist auf der Butterseite landet.
Lernen?
Ich habe bis jetzt vermieden, den Begriff „Lernen“ näher zu definieren
und habe mich nur auf das Alltagsverständnis von Lernen im schulischen Sinne
gestützt. Das ist auch ein wichtiger Teil des Lernens mit dem Fernsehen.
Daneben wird immer der Aspekt des sozialen Lernens hervorgehoben, Kinder sollen
gesellschaftliche Umgangsformen, Normen und Konfliktlösungs-Strategien lernen.
Der Bär im großen blauen Haus z.B. ist eine Serie, in der es explizit
um diese Kompetenzen geht.
Viel größer, undurchschaubarer aber wichtiger, gerade für die größeren Kinder
ist das Angebot von Sendungen, in denen Orientierungshilfen für ein Leben in
unserer Gesellschaft als kaum-reflektierter Bestandteil des Programms auftauchen.
Dazu gehören neben Talk-Shows, Real-Life-Formaten, Soaps und Sitcoms, in denen
gesellschaftliche Normen und Tabus vermittelt und bestätigt werden, auch unscheinbarere
Programmelemente wie Trailer und Werbung. Beim Thema Lernen denken die wenigsten
an die Werbung, an der wir uns jedoch tagtäglich orientieren (auch wenn das
niemand zugibt). Die Werbung bildet Relevanzstrukturen, die sich in vielen Trends
und Szenen widerspiegeln. Gebrauchsgegenstände werden so zu Zeichen und Marken
zu Schutzpanzern, mit denen das Individuum gegenüber gesellschaftlichen Gruppierungen
abgrenzen oder zugehörig fühlen kann. Den zugehörigen Rahmen lernen viele in
der Werbung oder im übrigen Lifestyle-Programm - was tragen die Stars? usw.
Die Marken ersetzen damit, was vor weniger Zeit noch politische, religiöse und
philosophische Ideen zur Persönlichkeitsbildung beitrugen, sagt Klaus Hurrelmann.
Damit ändert sich auch die Art und Weise mit der das Wissen um diese Zusammenhänge
vermittelt wird. Im Mittelpunkt stehen nicht Schulunterricht, Kirche und Familie,
sondern Schulpausen, Peer-Groups und Single-Issue-Gruppierungen, wie Szene-Gruppen.
Fasst man jedoch in einem Rahmen wie in dieser
Programmanalyse Lernen als Orientierungsprozess in unserer Gesellschaft oder
der Prozess der Konstruktion der individuellen Lebenswelt oder Wirklichkeit
auf, so wie dies die Konstruktivisten tun, dann wird die Meinung, wann ein
Programm eine Lernorientierung besitzt, höchst individuell und damit beliebig.
Ein Junge zählte in einer Befragung von Dr. Norbert Neuß Dragon Ball Z
zu den Programmen, in denen er etwas lernt, denn er lerne dort „kämpfen“,
so wie ein Mädchen aussagt, dass sie bei Traumhochzeit heiraten lerne.
Wirklich befriedigend ist die allgemeine Aussage „Jeder kann im Fernsehen
etwas lernen - und fast jeder Inhalt kann individuell lernorientiert erscheinen“
aber nicht. Um in dieser Beliebigkeit noch sinnvolle Aussagen machen zu können,
bedarf es einer Beschränkung.
„Lernorientiertes Programm“
Als lernorientierte Sendung bezeichne ich im Folgenden
nur Sendungen, bei denen die Lernidee im Zentrum des Konzepts der Sendung
steht. Es sollte eine pädagogische Grundidee zumindest erkennbar sein (auch
wenn sie nicht intendiert sein muss). Des weiteren soll an erster Stelle steht
nicht wie bei den Nachrichten eine reine Informationsdarbietung stehen oder
wie bei Wer wird Millionär meist nur eine Wissensabfrage, sondern es
geht vielmehr darum, Verknüpfungen herzustellen und Zusammenhänge durchschaubar
zu machen, um das Konzept der Welterklärung. Diese Welterklärung kann zum
Beispiel in die Bereiche Technik, Leben der Menschen, Tiere, Pflanzen, Geografie,
Handwerk, Sport, Verkehr, Gesundheit und Medien einführen.
Daneben gibt es noch den Bereich der expliziten
Hilfen zur Lebensbewältigung. Hierzu gehören z.B. die Sondersendungen für
Kinder (zum Beispiel logo), die sich mit der Aufarbeitung des Anschlags
vom 11. Septembers beschäftigt haben.
An wen richtet sich das lernorientierte Programm?
33% des Programms der Stichprobe richtet sich
explizit an Kinder, diese Sendungen genügen den Werberichtlinien der Rundfunkstaatsvertrags
und werden hauptsächlich auf Kindersendern (z.B. dem Kinderkanal) oder in
speziell ausgezeichneten Kinderflächen (z.B. tivi, toggo, toggolinoa usw)
ausgestrahlt. Das ist natürlich weit mehr, als ein normaler Programmdurchschnitt,
aber da der Fokus des Projektes auf der kindlichen Sicht auf das Programmangebot
liegt, wurde die Auswahl der Stichprobensender und -zeiten auf kindliche Nutzung
ausgerichtet - daher der hohe Porzentsatz expliziten Kinderprogramms.
Die meisten Sendungen mit lernorientiertem Inhalt
der Stichprobe 2002 werden in diesem expliziten Kinderprogramm ausgestrahlt,
für Erwachsene gibt es wenige explizite Lernangebote.
Während ein Drittel des Kinderfernsehens die Kinder
zum Lernen animieren will, versuchen dies nicht mal 2% des restlichen Programms.
Kinderfernsehen ist also zu einem guten Teil Programm zum Lernen, während
Erwachsenenfernsehen (Nicht-Kinder-Fernsehen) eher der Informationsvermittlung
und der Unterhaltung dient. Lernen mit dem Fernsehen scheint aus der erwachsenen
Sicht der Programmmacher also eher eine Sache der Kinder zu sein.
Wer sendet?
In unserem dualen Fernsehsystem drängt sich nun
die Frage auf, wer sich um das Lernen mit dem Fernsehen bemüht. Dabei zeigt
sich, dass 22% der aufgezeichneten Sendungen der öffentlich-rechtlichen Sender
eine Lernorientierung haben, während es bei den privaten Anbietern nur 4%
sind. Natürlich hängen auch diese Zahlen mit den Aufnahmezeiten und den aufgezeichneten
Sendern zusammen. Einen großen Einfluss hat der Kinderkanal, der noch vor
SuperRTL die meisten lernorientierten Programme ausstrahlt. SuperRTL zeigt
fast alle privaten Angebote. Auch die Beschränkung der Aufzeichnung der Dritten
Programme der ARD auf das Kinderprogramm tragen einen Teil zum Vorsprung der
öffentlich-rechtlichen Sender bei. Ohne die Dritten liegt der Anteil aber
immer noch bei über 17%, somit ist die Tendenz auf jeden Fall deutlich. Das
spiegelt sich auch in der zeitlichen Verteilung des Angebots wider.
Die orangen Balken symbolisieren die Angebotes aller
privaten, die gelben die aller öffentlich-rechtlichen Sender. Zusammengenommen
zeigt sich ein fast lückenloses Angebot von lernorientierten Programmen von
6.00 bis 19.00 Uhr. Zum Zeitpunkt der Stichprobe sendete der Kinderkanal nur
bis 19.00 Uhr, Dies hat sich ja erfreulicherweise mit dem Start ins Jahr 2003
geändert. Lernbegierige Kinder haben also immer die Möglichkeit ein lernoreintiertes
Programm zu finden. Am Sonntag ist am meisten Zeit fürs Fernsehen und so überrascht
es nicht, dass sich die meisten lernorientierten Sendungen mit hohen Sehbeteiligungen
am Sonntag laufen.
| 3-5-Jährige |
6-9-Jährige |
10-13-Jährige |
| Die Sendung mit der Maus |
Pepper Ann |
Galileo |
| Löwenzahn |
Die Sendung mit der Maus |
Die Sendung mit der Maus |
| Die Sendung mit der Maus |
Die Sendung mit der Maus |
Pepper Ann |
| Rudis Tipp |
Löwenzahn |
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| Löwenzahn |
Rudis Tipp |
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| Siebenstein |
Pepper Ann |
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| Pepper Ann |
Oswald Oktopus |
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| Pepper Ann |
Pepper Ann |
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| Tabaluga tivi |
Käpt'n Nobart und die Piratenbande |
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| Tabaluga tivi |
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| Oswald Oktopus |
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| Teletubbies |
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| Tweenies |
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| Alfred J. Kwack |
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| Rudis Rabenteuer |
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Wer sieht zu?
Dazu gehören unter anderem Die Sendung mit
der Maus, Löwenzahn, Rudis Tipp, Siebenstein, Tabaluga
tivi, Oswald Oktopus und die Teletubbies, die alle in den
Top 50, der meistgesehenen Sendungen der 3-5 Jährigen (in der Stichprobe)
platziert sind. Bei den 6-9 Jährigen nimmt die Anzahl der vielgesehenen Sendungen
mit lernorientiertem Inhalt schon ab, viele 10-13 Jährigen schauen aus dem
Kinderprogramm zum Lernen nur noch die Sendung mit der Maus und
Pepper Ann. Gerade beim Betrachten der Sehbeteiligungen der Sendung
mit der Maus oder Sesamstrasse fällt auf, das hier nicht nur Kinder
zusehen. Beim Vergleich der Sehbeteiligungen der einzelnen Altersgruppen entsteht
das Bild einer Familie.
Die Familie vor dem Fernseher
Der Anteil der erwachsenen Zuschauern von fast
drei Vierteln bei der Sendung mit der Maus, Löwenzahn und Wissen
macht Ah! besteht sicherlich zum Teil aus Erwachsenen, die durchs Programm
zappen und bei diesen für alle Altergruppen interessanten Sendungen hängen
bleiben. Aber diese hohen Zahlen legen die Vermutung nahe, dass die Rezeptionssituation
auch einer gemeinsam schauenden Familie entspricht. Dies deutet auf zwei wichtige
Funktionen hin. Erstens wollen auch Erwachsene etwas über ihre Alltagswelt
in verständlich Worten erklärt bekommen und zweitens sind diese Sendungen
Beispiele für unproblematische, integrative Programme, die in der zuschauenden
Familie ein gemeinsames Fernseherlebnis entstehen lassen. Um neben den positiven
Aspekten noch auf ein Problemfeld hinzuweisen, betrachte ich noch einmal kurz
die Frage
Wer erklärt den Kindern die Welt?
Im Vergleich zu meiner ersten Untersuchung zu
diesem Thema im Jahre 1999 gibt es im Stichprobenprogramm 2002 mehr gemischtgeschlechtliche
Erzähler/Moderatoren- und Protagonistenteams, allerdings gibt es gerade im
Bereich der Orientierung gebenden Sendungen weiterhin kaum einzelne Moderatorinnen
oder Protagonistinnen.
Diese Diskrepanz verschärft sich noch, wenn man
auf die Präsentation der Wissensinhalte direkt eingeht. Die meisten Off-Stimmen,
die lernorientierte Elemente begleiten sind männlich und in Teams werden die
Lerninhalte öfter über die männlichen Kollegen dargestellt. So entsteht leicht
der Eindruck einer männlichen Wissenschaft. Diesem Trend sollte dringend entgegengewirkt
werden. Allerdings sollte man den Frauen ihre Kompetenz wirklich abnehmen
und sie nicht als „aus-dem-Teleprompter-Texte-Ablesende“ inszenieren.
Fazit:
Neben der reinen Informationspräsentation sollten
auch die Zusammenhänge die hinter den politischen Aussagen und Taten, Naturereignissen
aber auch einfachen Dingen aus dem Alltagsleben stehen, verständlich dargestellt
werden. Diese Zusammenhänge und Beziehungen müssen Kinder verstehen, um die
Informationen richtig einordnen zu können und damit sie mit ihrer Alltags-
und Lebenswelt in Verbindung zu bringen. Das ist die Grundvoraussetzung für
ein längeres Behalten. Dazu ist es auch wichtig Strategien zu vermitteln,
wie man sich selbst diese Orientierungshilfen organisieren kann. Ein Beispiel
wäre hier Kratts Safari aus der Stichprobe 2001. In diesem turbulenten
Magazin versucht die junge Protagonistin sehr vereinfacht im Studio mit Hilfe
von Computer und Büchern sich einem Thema anzunähern. Ein Außenteam, bestehend
aus zwei Männern, wird von ihr gesteuert. Dabei gibt es immer wieder Sachgassen
und eine neue Strategie wird erforderlich. So wird aber einer Frustration
beim eigenen Lernen vorgebeugt, denn dies verläuft keineswegs so gradlinig,
wie dies meist suggeriert wird. Durch den vermittelten Spaß am Lernen nur
z.B. bei Löwenzahn, Pepper Ann, Wissen macht Ah! und
der Sesamstrasse wird der Lernbegriff emotional positiv besetzt. Die
Auswirkungen eines positiven Lernverständnisses auf die höhere Lernmotivation
in der Schule, die besseren schulischen Leistungen und die Einstellung zum
Lesen hat u.A. Anderson [2] untersucht.
[1] Daten aus
Erlinger, Hans Dieter (Hrsg.): Handbuch des Kinderfernsehen, 1998
[2] Anderson, Daniel R.: Kinderfernsehen und Schulleistung.
In: TelevIZIon 11/1998/2
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