Bestandsaufnahme zum Kinderfernsehen
 
 
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08. November 2008


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Bestandsaufnahme zum Kinderfernsehen 2001
Clemens Lambrecht

Programm in der Angebotsperspektive

Nach einer kurzen Einleitung, was explizites Kinderprogramm überhaupt ist, wird untersucht, welche Sender sich um Angebote für Kinder bemühen. Diese Angebote werden dann weiter analysiert:

- Wann senden die Sender Kinderprogramm?

- Wer steht in den Sendungen im Vordergrund?

- Welche Machart ist im Kinderfernsehen bevorzugt?

Was ist explizites Kinderprogramm?
Dazu gibt es viele verschiedene Vorstellungen. In den letzten Jahren wurden mehrere Definitionen auf Umsetzbarkeit überprüft. Die eindeutigste Kennung (Kodierung nach dem Preis der Werbeblöcke zwischen den Sendungen – Werbung im Kinderfernsehen ist sehr billig – in Verbindung mit dem Blick auf Programm und die Einhaltung der Werberichtlinien für Kinderprogramm) ist leider nur im Nachhinein möglich und daher für die Vorauswahl der aufzuzeichnenden Sendungen der Dritten Programme der ARD nicht praktikabel. Daher wurde die Definitionsfrage teilweise abgegeben. Als explizites Kinderprogramm gilt nun von den Sendern speziell für Kinder gekennzeichnetes Programm (es gibt kinderspezifische Verbindungselemente (Beispiel: Vampy) , Logos/ Inserts in der Programmfläche (Beispiel: K-RTL, Toggolino) weisen auf Kinder hin oder die Sendung wird in „Hörzu“ und/oder  „TV Sehen und Hören“ als Kindersendung ausgewiesen (der gesamte Ki.Ka, fast das komplette Tagesprogramm von SuperRTL, das mit konkreten Altersangaben für Kinder versehen ist, usw.). Diese Definition entstand in Anlehnung an die Programmanalyse der Göfag [i] .

 

5.1 Wer sendet explizites Kinderprogramm

Weil zusätzlich zum Kinderkanal in die Stichprobe 2001 mit FOX-KIDS ein weiteres Kindervollprogramm in die Programmstichprobe aufgenommen wurde, verschiebt sich die Verteilung des explizitenKinderfernsehangebots öffentlich-rechtliche versus private Sender deutlich auf die private Seite. Allerdings sieht auch nur eine kleine Gruppe von Kindern FOX-KIDS, weil es nur auf der Plattform von Premiere-World zu empfangen ist. Deshalb empfiehlt es sich, das Programmangebot von FOX-KIDS nicht beim quantitativen Vergleich der öffentlich-rechtlichen mit den privaten Sender zu berücksichtigen. In die folgenden quantitative Analyse gehen deshalb nur die frei empfangbaren Fernsehsender ein.

Während der rund 500 Stunden des aufgezeichneten Programms der Stichprobe wurden rund 180 Stunden explizites Kinderprogramm (ohne FOX-KIDS rund 130 Stunden) ausgestrahlt. Davon sendeten die öffentlich-rechtlichen Sendern 83 Stunden und die privaten 97 Stunden (49 Stunden ohne FOX-KIDS). Damit setzt sich der Trend einer Verschiebung des Schwerpunktes des expliziten Kinderfernsehens zu den öffentlich-rechtlichen Sendern, der sich seit 1999 abzeichnet (1999 ca. 50% - 50%, 2000 52,3% - 47,7%) fort. Die öffentlich-rechtlichen Sender strahlten in der Stichprobe 2001 (ohne FOX-KIDS) 63% des expliziten Kinderprogramms aus. Dabei ist allerdings auch der nicht einzuschätzende Einfluss der Redaktionen der zugrundeliegenden Programmzeitschriften zu beachten. Die Definition von explizitem Kinderfernsehen hat offensichtlich einen Einfluss auf diese Fragestellung, allerdings ist dieser geringer als erwartet, Stichproben mit verschiedenen Definitionsgrundlagen liefern trotzdem vergleichbare Ergebnisse. Wie und ob sich die Ausweisung von Programm als Kinderprogramm der Sender und der Programmzeitschriften im jahresübergreifenden Vergleich ändert, wäre eine weiterführende Fragestellung.

 

5.1.1 Verteilung des expliziten Kinderprogramms

Die rund 130 Stunden aufgezeichneten Kinderprogramms verteilen sich auf die Sender ARD, ZDF, Ki.Ka, Hessen 3, Bayern 3, SWR, WDR, MDR und Nord 3 auf Seiten der öffentlich-rechtlichen Sender und auf RTL, RTL II, Super RTL, Pro 7, Sat.1 auf der Seite der privaten Anbieter. Dabei ergibt sich folgendes Bild

Ohne die Berücksichtigung von FOX-KIDS sendeten die privaten Sender 37% (rund 48 Stunden) der 130 Stunden des expliziten Kinderprogramms und die öffentlich-rechtlichen Sendern 63% (rund 82 Stunden).

Ein weiterer möglicher Grund für die starke Verschiebung der Anteile von Öffentlich-rechtlich und Privat im Vergleich zum Vorjahr liegt in der Änderung der Senderstruktur von tm3, die im Jahre 2000 für 7,4% des gesamten expliziten Kinderprogramms verantwortlich waren.

 

5.1.2 Gesamtangebot von explizitem Kinderprogramm nach Sendern

Wie in den Jahren zuvor stellt der Kinderkanal mit 39 Stunden (nach FOX-KIDS: 48 Stunden) das meiste Kinderprogramm bereit, wie auch im Vorjahr gefolgt von Super-RTL mit rund 23 Stunden. ARD (13 Stunden), ZDF (11 Stunden) und RTL II (6 Stunden) haben ihr Angebot relativ konstant gehalten. Tm3 sendet kein Kinderprogramm mehr, dafür ist Pro 7 mit fast 7 Stunden erstmalig vertreten.

ARD und ZDF senden fast ausschließlich am Wochenende explizites Kinderprogramm, RTL II und Super-RTL hingegen strahlen auch während der Woche viel explizites Kinderprogramm aus. Wenn der Donnerstag als Repräsentant der Werktage 5fach gewertet wird (dann erhält man eine rein mathematisch „hochgerechnete Woche“ mit 5 Werktagen, für die exemplarisch der Donnerstag steht, und dem Wochenende). Dann ergibt sich folgendes Bild:

Während sich die Anteile von FOX-KIDS und Ki.Ka, aber auch der Dritten Programme kaum verändern, zeigen gerade ARD und ZDF, dass sie sich beim Kinderprogramm hauptsächlich auf das Wochenende konzentrieren. Deutlicher treten nun Super-RTL und RTL II hervor, die auch während der Woche (hier exemplarisch am Donnerstag) mit explizitem Kinderprogramm präsent sind.

 

5.2 Wann wird explizites Kinderprogramm gesendet?

5.2.1 Gesamtangebot an explizitem Kinderprogramm nach Tagen

Wie schon 1999 und 2000 ist der Samstag der Tag, an dem Kinder das meiste explizit an sie gerichtete Programm finden können. Während der Woche zeigen die Sender trotz der täglichen Präsenz des Kinderkanals über 20% weniger explizites Kinderprogramm (ohne FOX-KIDS). Das liegt natürlich auch an den Sehgewohnheiten und dem Zeitbudget der Kinder, die während der Woche in die Schule müssen.

 

5.2.2 Differenzierung des Angebotes nach Tageszeiten und Tagen

Angebot am Donnerstag

Abgesehen vom Kinderkanal und FOX-KIDS zeigen sich werktags (hier exemplarisch am Donnerstag) zwei Schwerpunkte in der zeitlichen Angebotsstruktur der Sender. Früh morgens vor Schule und Kindergarten von 5.30 Uhr bis 7.30 Uhr senden fast alle Dritte Programme der ARD sowie RTL II und Super-RTL explizites Kinderfernsehen. Die meisten Kinder in Deutschland gehen Werktags von 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr in die Schule oder in den Kindergarten. Sender erreichen in dieser Zeit also nur wenige Kinder, daher ist auch das Interesse der Sendeverantwortlichen an explizitem Kinderprogramm in diesem Zeitintervall relativ gering. Wenn die Kinder wieder zu hause zu erreichen sind, bemühen sich die Sender auch Nachmittags zwischen 13.00 und 17.00 Uhr wieder um sie. Zu diesen Zeiten zeigen Super-RTL und auch RTL II deutliche Angebotsflächen.

Angebot am Samstag

Am Samstag finden sich den ganzen Vormittag über bei vielen Sendern explizite Angebote für Kinder. Aus Sicht der Programmgestalter scheint hier der Schwerpunkt des expliziten Kinderfernsehens zu liegen. Super-RTL sendet als einziger (außer Ki.Ka und FOX-KIDS) auch nachmittags noch längere zusammenhängende Flächen expliziten Kinderprogramms. Einzelne Sendungen finden sich nachmittags auch bei RTL II, der ARD und den Dritten Programmen. Super-RTL bietet auch über den Sendeschluss des Ki.Ka hinaus um 19.00 Uhr explizite Angebote für Kinder an:

Angebot am Sonntag

Der Sonntag ähnelt dem Samstag von der Angebotsstruktur, nur senden die Sender insgesamt weniger und kürzer explizites Kinderprogramm. Wie auch am Samstag finden sich den ganzen Sonntag-Vormittag über bei vielen Sendern explizite Angebote für Kinder. Super-RTL sendet als einziger (außer Ki.Ka und FOX-KIDS) auch nachmittags noch längere zusammenhängende Flächen expliziten Kinderprogramms. Einzelne Sendungen finden sich nachmittags auch bei den Dritten Programmen. Auch am Sonntag bietet Super-RTL auch über das Ende des Ki.Ka um 19.00 Uhr explizite Angebote für Kinder an

Fazit:

Morgens (am Wochenende bis um 10.30 Uhr, während der Woche bis um 8.00 Uhr) ist das Angebot an explizitem Kinderprogramm am größten, nach einer Dursttrecke am Mittag bieten die Sender Nachmittags wieder mehr Angebote an. Je weiter der Abend fortschreitet, desto weniger explizite Angebote an Kinder gibt es. Nach 19.00 Uhr bietet nur noch SuperRTL explizites Kinderprogramm an.

 

5.3 Wer handelt im expliziten Kinderfernsehen?

Gutes Kinderfernsehen bietet Abwechslung in der Art der Inszenierung und ein breites Spektrum der Rollenbilder. Kann das hier rein formal analysierte Kinderprogramm dieses leisten?

 

5.3.1 Geschlechter der Protagonisten im expliziten Kinderfernsehen

Finden Kinder gleichermaßen Angebote mit Mädchen und Jungen als Protagonisten oder gibt es immer noch eine Verschiebung hin zu mehr männlichen Protagonisten?

Alle  Sendungen des expliziten Kinderfernsehens wurden auf die Geschlechter ihrer Protagonisten hin untersucht. Dabei ergibt sich die folgende Aufteilung:

Nur 11% aller Sendungen im expliziten Kinderfernsehen zeigen weiblich Protagonisten, während 57% männliche Protagonisten haben. Hier besteht dringender Handlungsbedarf für die Filmemacher! Mädchen müssen die Möglichkeit bekommen, wie die Jungen zwischen vielen unterschiedlichen Mädchenbildern wählen zu können, Vorraussetzung dafür ist allerdings eine stärkere Auseinandersetzung der Kinderfernsehmacher mit Mädchen als Protagonisten.

 

5.3.2 Alter der Protagonisten im expliziten Kinderfernsehen

Etwas erfreulicher sieht es beim Alter der Protagonisten im expliziten Kinderfernsehen aus. In über 40% aller Sendungen des expliziten Kinderfernsehens, in denen eine Alterseinteilung der Protagonisten möglich ist, spielen Kinder die Hauptrolle.

Bei vielen Sendungen (gerade im Zeichentrickbereich) ist das Alter der Protagonisten nicht erkennbar. Wo es aber erkennbar ist, spielen zu mehr als 50% Kinder oder Jugendliche die Hauptrolle. Obwohl die sich Dreharbeiten mit Kindern in Deutschland durch den gesetzlichen Rahmen sehr schwierig gestalten, wird hier auf eine gute Repräsentation der Kinder im ihrem Programm geachtet.

 

5.4 Welche Darstellungsweisen stehen im Vordergrund?

5.4.1 Darstellungsweisen im expliziten Kinderfernsehen

In der öffentlichen Diskussion fallen immer wieder Zeichentrickformate wie He-Man, Power Rangers, Pokémon, Digimon, Dragon Ball und Dragon Ball Z auf. Über andere Darstellungsweisen wird vergleichsweise wenig berichtet (außer bei der Diskussion um die Teletubbies und den Events um Die Sendung mit der Maus). Wie sieht es denn wirklich im expliziten Kinderfernsehen aus? Besteht es hauptsächlich aus Zeichentricksendungen?

Es besteht tatsächlich eine deutlich Dominanz an Zeichentricksendungen (52%), die vor allem von den kleineren Kindern gerne angenommen werden (siehe „Hits der Kids“ im Arbeitsbereich 6: Nutzung). Allerdings sind auch fast 30% des expliziten Kinderfernsehens in der Machart des Realfilm gedreht und noch 17% als Puppenspiel, so dass es keine Monokultur des Zeichentricks im expliziten Kinderfernsehen gibt. Computeranimierte Sendungen sind im expliziten Kinderprogramm selten (3%).

 

5.4.2 Fiction oder Non-Fiction im expliziten Kinderprogramm?

Da die Einteilung in Fiction und Non-Fiction nicht immer exakt zu bestimmen ist, wurde für Fälle, in denen die Anteile von Fiction und Non-Fiction ungefähr gleich groß sind, die Variable „Mischform“ eingeführt. Außerdem mussten die Begriffe zu „typisch Fiction“ und „typisch Non-Fiction“ abgeschwächt werden, um eine sinnvolle Zuweisung zu ermöglichen. Dieses Problem zeigt sich deutlich an einem Beispiel außerhalb des expliziten Kinderfernsehens: bei den Talkshows. Einige Talkshows sind deutlich als "typisch Non-Fiction" zu kodieren, da dort reale Menschen ihre Lebensweise präsentieren, andere sind eher Mischformen, bei denen bekannt ist, dass die Talkgäste gecastete Laiendarsteller sind. TV Kaiser ist ein Beispiel für eine Talkshow, die eindeutig "typisch Fiction" ist, da sowohl die Gäste als auch die Themen deutlich erfunden und inszeniert sind.

Im expliziten Kinderprogramm ist fiktionales Programm mit 83% die häufigste Form, knapp 10% gehören zu einer Mischform und nur 6% des expliziten Kinderprogramms ist typisch non-fiktionales Programm. An den Hits der kleineren Kinder lässt sich allerdings das deutlich größere Interesse an fiktionalen Programmen  ablesen.


[i] Vgl. Weiss, Trebbe: Fernsehen in Deutschland 1998 – 1999, Vistas Verlag, 2000

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